Bericht über die Fahrt an den Obermain, 03.07.2010


Die Studienfahrt des Historischen Vereins am Samstag, den 3. Juli 2010, unter der Leitung von Ordinariatsrat  Dr. Norbert Jung führte zu den barocken Kirchenbauten am Obermain. Herr Dr. Norbert Jung bot dem Historischen Verein ein brillantes Feuerwerk an barocken Kirchenausstattungen.

In St. Katharina in Oberküps, einem Bau des Bamberger Hofbaumeisters Lorenz Fink (1792/1802), beeindruckten die beiden Seitenaltäre aus der säkularisierten St. Johannis Kapelle in Bamberg. Die Altarbilder stammen von Johann Scheubel. Die Hochaltarwand wird dem Bildhauer und Schüler Bernhard Kamms, Johann Georg Hoffmann zugeschrieben, wie auch die Kanzel. Auf der Barockorgel aus dem Winteroratorium von Kloster Banz gab es ein kleines Konzert.

Die idyllisch gelegene Hankirche bei Prächting war die nächste Station, für die bereits um 1600 Wallfahrten belegt sind. Der bestehende Kirchenbau wurde nach 1700 neu errichtet. Tätig waren u.a. der Staffelsteiner Thomas Nißler (Basilika Vierzehnheiligen) und am Turm Jakob Michael Küchel. Der ungewöhnliche Hochaltar wurde erst 1782 errichtet. In ihm steht  das Gnadenbild der Hankirche, eine spätgotische Muttergottes im Strahlenkranz aus einer Nürnberger Werkstatt. Die Figuren der Nebenaltäre entstammen der Werkstatt Sebastian Deglers.

Im Anschluss wurde in Kleukheim die Pfarrkirche St. Wolfgang besucht. Turm und Chor werden Bonalino zugeschrieben, das Langhaus Lorenz Fink (1745). Der Hochaltar in frühklassizistischen Formen (1790/91) stammt vom Bamberger Schnitzer Johann Georg Hoffmann, das Altarbild von Andreas Mattenheimer. Die Statue des heilige Nepomuk im Chor, durch ihre kryptogotische Gestalt unverkennbar ein Werk Theilers, fand eine besondere Beachtung. Theiler ist das große Vorbild von Adam Friedrich Ditterich, den der Historische Verein derzeit mit einer Sonderausstellung würdigt.

Nach dem Besuch der Kapelle auf dem Veitsberg, führte Herr Dr. Norbert Jung durch die Pfarrkirche Mariae Verkündigung in Ebensfeld. Er zeigte verschiedene Epochen der Erbauung und Ausstattungsgeschichte auf. Im Anschluss fand im Pfarrsaal von Ebensfeld durch die Archäologin Frau Katrin Schäfer eine Vorstellung der archäologischen Grabungen und Befunde statt, die beim letzten Umbau der Kirche ergraben wurden. Die Erkenntnisse der archäologischen Notgrabungen sollen demnächst veröffentlicht werden.

In der neu renovierten Wallfahrtskirche Maria Schmerz von Eggenbach wurde nicht nur die barocke Ausgestaltung vorgestellt; durch die vier Gemälde der Nebenaltäre, die von August Palme stammen, konnte der Bogen bis zur kirchlichen Kunst des 19. Jahrhunderts gespannt werden. Der Nazarener August Palme hat auch die Wallfahrtskirche in Vierzehnheiligen nach dem Band mit neuen Altargemälden ausgestattet und die zerstörten Fresken zum Teil übermalt.

Den Schlusspunkt bildete die barocke Valentinkapelle am Ortsrand von Unterleiterbach, die 1738 nach Plänen von Johann Michael Küchel erbaut und von Giovanni Francesco Marchini 1740 vollständig mit Illusionsmalerei ausgemalt wurde.

Die reiche Kultur des "Gottesgarten am Obermain", mit seiner jahrtausendalten Siedlungskontinuität, findet in der sinnenfrohen barocken Ausstattung der Kirchen einen glanzvollen Höhepunkt.
Norbert Ruß