Studienfahrt am 07.07.12 zur südlichen Bistumsgrenze

mit Besichtigung von: Marloffstein, Kirchrüsselbach, Bergkirche Bühl bei Simmelsdorf, Velden an der Pegnitz und Königstein


Bericht von Dr. Norbert Ruß
Alle Rechte an den Photographien liegen bei Dieter Morcinek.

Die südliche Bistumsgrenze Bambergs nach Eichstätt fand erst im Jahre 1016 ihre endgültige Festlegung, nach dem der Eichstätter Bischof  Megingard verstorben war. Heinrich II. wollte die nordöstlichsten Teile des bereits früh gegründeten Eichstätter Bistums an Bamberg angliedern, konnte das aber nicht, wegen des Widerstands des Eichstätter Bischof Megingard. Erst bei seinem Nachfolger Gundekar, einem Bamberger Domkustos, war dies möglich. Die Entwicklung der südlichen Bistumsgrenze Bambergs zeigt, wie sich Heinrich für seine Stiftung verwand und sie ihm am Herzen lag.

Ein weiterer Schwerpunkt dieser Studienfahrt bestand in der kirchengeschichtlichen Entwicklung, nach dem es hier durch die Nachbarschaft der Reichsstadt Nürnberg in der Reformation zu Abspaltungen verschiedener Pfarreien durch den Übertritt zur neuen Lehre kam. Zum Teil bestanden hier bis in den Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts Simultankirchen, so in Königstein bis 1965.

Marloffstein

Der erste Ort der Studienfahrt war Marloffstein, ehemaliges Bamberger Oberamt mit seinem Amtsschloss, dessen Baubeginn im 11./ 12 Jahrhundert lag. Nach der Säkularisation 1806 wurde das Schloss Privatbesitz, der Bau wurde verstümmelt. Seinerzeit wurde die Schlosskapelle abgerissen, der Schlossbesitzer musste jedoch eine neue Filialkirche St. Jakobus erbauen. Es handelt sich um einen einfachen Quaderbau mit Chorturm. In der Kapelle ist die wertvolle Ausstattung aus der Schlosskapelle um 1770 aus der Bamberger Werkstatt von Johann Bernhard Kamm mit drei Altären erhalten. Zusätzlich finden sich über den Türen die Stifterwappen. Bemerkenswert ist in der Filialkirche St. Jakobus in Marloffstein eine Muttergottes um 1500-10, eine Nürnberger Arbeit.

MarloffsteinKirche1816_120707CD.jpg    MarloffsteinKreuzwegvonUrlaub120707CD.jpg    MarloffsteinMadonnaSpgt120707CD.jpg    MarloffsteinResteAmtsschloss120707CD.jpg    MarloffsteinSeitaltarLiNepomuk120707CD.jpg    MarloffsteinSeitaltarRE120707CD.jpg    MarloffsteinStJakobHochaltar120707_01CD.jpg    MarloffsteinTaufstein120707CD.jpg

Kirchrüsselbach

Für Rüsselbach kam erst nach 1016 von Eichstätt an das Bistum Bamberg. Die Pfarrei ist heute evangelisch und wurde 1311 das Erstemal erwähnt, war aber im frühen Mittelalter bereits von  Eichstätt aus gegründet worden. In der heutigen barocken St. Jakobuskirche befindet sich im ehemaligen Chorturm Reste von aus dem 14 und 15 Jahrhundert stammenden Fresken von sechs Aposteln mit Baldachinen. An der Wand zum Chorbogen sind drei bronzene Kelchreliefs von verstorbenen Geistlichkeiten aus dem Jahr 1500, 1726 und 1773. Die hölzern eingewölbte Kirchendecke ist die Stuckdecke im Rokoko, wohl Ansbacher Arbeit. Noch heute besteht die Friedhofsbefestigung, eine Wehrmauer aus Backsteinen mit Schießscharten an der Westseite. Das Pfarrhaus, ehemaliges Kornhaus mit Stall, wurde im 17 und frühen 18 Jahrhundert umgebaut und schließt mit einem Verbindungsbau an die Kirche an.

KirchruesselbachBlickzHochaltar120707CD.jpg    KirchruesselbachBlickzurOrgel120707CD.jpg    KirchruesselbachFreskoRestJohannesEvoderEngel120707AusschnCD.jpg    KirchruesselbachHochaltar120707CD.jpg    KirchruesselbachKirchenburgResteBefestigg120707CD.jpg    KirchruesselbachSchlusssteinBemaltChristushaupt120707CD.jpg

Bergkirche Bühl bei Simmelsdorf

Nach dem Mittag in Simmelsdorf wurde die Bergkirche von Bühl, eine Tochterkirche von Heroldsbach besichtigt. Heroldsbach war vermutlich eine Urpfarrei des Bistums Eichstätt, mit dem Patrozinium St. Mariae. Die Bergkirche in Bühl war bereits vor 1143 Pfarrkirche, ist seit dem 13 Jahrhundert Oberpfarrei. Die Pfarrei Bühl im evangelischen Umland war im 18 und frühen 19 Jahrhundert ein Außenposten des Bistums Bamberg, der häufig Geistlichen als Strafe zugewiesen wurde oder um die sie sich aus Resignation bewarben.
Die Bergkirche St. Maria liegt auf einem 440 Meter hohen Felsvorsprung zwischen Schnaitach und Haunachtal mitten in einem befestigten Kirchhof mit Pfarrhof. Im Wesentlichen entstand der Bau im 13 Jahrhundert, ältere Teile wie die Sakristei und das ehemalige Schatzhaus liegen im nördlichen Chorwinkel. Der Chor wurde im 14 Jahrhundert erbaut, die nördlichen Seitenschiffe 1472, der Westturm gegen 1558. Die Barockisierung der Kirche erfolgt 1732-33. Die Kirche besitzt einen bemerkenswerten Deckenstuck aus Bandwerk und Blütenblättern. Die Deckenbilder wurden 1733 von Johann Adam Müller illusionistisch mit sicherer perspektivischer Auffassung gemalt. Der Hochaltar von 1717 stammt von Johann Michael Dos Auerbach.
Weiter finden sich in der Kirche eine Pieta um 1500 in barocker Fassung sowie ein heiliger Wendelin von 1799 von Friedrich Theiler aus Ebermannstadt.

BuehlAussenansicht120707_01CD.jpg    BuehlDeckenfreskoFluchtnachaegypt120707CD.jpg    BuehlDeckenfreskoGeburtChristi120707CD.jpg    BuehlDeckenfreskoImmaculata120707CD.jpg    BuehlDeckengemaeldeHeimsuchung120707BearbCD.jpg    BuehlHochaltarMariamitElisabethundAnna120707CD.jpg    BuehlSeitaltarLiundHochaltar120707_01CD.jpg    BuehlSeitaltarRe120707CD.jpg    BuehlWendelinTheiler120707_04CD.jpg

Velden an der Pegnitz

Höhepunkt der Studienfahrt war Velden an der Pegnitz. Hier handelt es sich um den frühesten überlieferten Ort des Pegnitztales, bereits 889 urkundete hier König Arnulf, 912 bestätigt König Konrad I. dem Eichstädter Bischof die Kirche zu Velden. Erst 1016 kommt Velden zum Bistum Bamberg. Velden war seit 744 fränkischer Besitz und karolingischer Königshof zu dessen Wirtschaftsbereich das riesige Waldgebiet links und rechts der Pegnitz, der spätere Feldensteiner Forst gehörte.
Der Königshof von Velden wurde 1009 von Kaiser Heinrich II., dem Heiligen, an das Bistum Bamberg als weitere Ausstattung geschenkt. Dieses konnte den Forst, wenn auch nicht ungeschmälert, bis 1803 halten. Die 1260 als Novum Castrum errichtete Burg Veldenstein bei Neuhaus an der Pegnitz verlor das Hochstift schon im 13 Jahrhundert an die Herzöge von Bayern. Velden selbst wurde 1317 Markt und erhielt 1376 das Stadtrecht wie Auerbach durch Karl IV. Von 1505 bis 1806 war die Stadt nürnbergerisch. Bei der Stadt selbst handelt es sich um eine rechteckige Stadtanlage mit Straßen- Markt, die erst in der ersten Hälfte des 15 Jahrhunderts befestigt wurde. Das Nürnberger Pflegeschloss steht vermutlich an Stelle des ehemaligen Königshofs.
Die evangelische Pfarrkirche St. Maria wurde um 1350-70 vereinheitlicht, 1724 erfolgte eine Turmerhöhung, barock Langhauserhöhung und Spiegelgewölbe im Chor des Kreuzrippengewölbes auf skulptierten Konsolen. Der Emporeneinbau stammt aus dem Jahre 1612. Trotz Einführung der Reformation 1525 durch den Rat der Stadt Nürnberg, blieb die wertvolle Ausstattung, wie auch in den Nürnberger Hauptkirchen, weitgehend erhalten. Der Hauptaltar ist ein Flügelaltar mit einer hervorragenden großen Madonna. Es handelt sich um eine Nürnberger Arbeit vom Meister des Puschendorfer Altars. In der Praetella befinden sich Schreine für Reliquien Büsten, Nürnberger Arbeiten von Vorgängeraltar von 1367. In der Kirche selbst bestehen noch Reste ehemaliger spätgotischer Altäre, so der Jungfrauenaltar an der Langhauswand, der der 14 Nothelferaltar im Chorraum sowie verschiedene gotische und spätgotische Praetellae.

Velden12ApostelPredella1520_120707CD.jpg    VeldenHochaltar120707BearbCD.jpg    VeldenInnen120707CD.jpg    VeldenJungfrauenaltar1480_120707CD.jpg    VeldenKlMarien14NothAltar120707FreigestCD.jpg    VeldenSakristeiTaufsteinVielleichtMerowingisch120707CD.jpg

Königstein

Königstein der letzte Ort der Studienfahrt lag lange Zeit auf der Grenz zwischen den Bistümern Eichstätt und Bamberg und gehörte zu den erst 1016 an Bamberg zugewiesenen Gebieten, an dessen östlichem Ende lag. Noch im frühen 19 Jahrhundert war der Ort auf beide Bistümer verteilt, erst 1828 kam Königstein ganz an das Bistum Eichstätt.
Die evangelische Pfarrkirche St. Georg war bis 1965 als Simultankirche benutzt. Der Turm stammt noch aus dem 15 Jahrhundert. Der Kirchenbau selbst wurde von Fürstbischof Franz Ludwig von Erthal als Neubau 1783 aufgeführt durch den Maurermeister Franz Ignatz Himbsel, nach Plänen des Hofbaumeisters Georg Heinrich Dobmeyer. Die Weihe erfolgte am 7. Mai 1786.
Der Saalbau hat einen dreiseitig geschlossenen Cho, und eine zweigeschossige klassi-zistische Empore mit Bemalung. Der Stuck ist einfach gehalten mit Rahmen und Bandstuck sowie Muschelwerk.

KoenigsteinEpitaphe120707_01CD.jpg    KoenigsteinHochaltarDoser120707Bearb_01CD.jpg    KoenigsteinHochaltarEngel120707CD.jpg    KoenigsteinOrgelundEmporen120707CD.jpg

Der Hochaltar aus dem Ende des 17 Jahrhunderts mit vier gewundenen Säulen und Arkantus- Schnitzwerk wurde angeblich 1787 aus der Auerbacher Stadtpfarrkirche erworben. Die Seitenaltäre von 1710- 15 stammen von Johann Michael Doser und wurden bei der Auflösung des Simultaneums 1965 in die neu erbaute katholische Pfarrkirche St. Michael überführt und sind seit 1987 im Stadtmuseum in Sulzbach Rosenberg deponiert.

Die Studienfahrt klang mit einer gemeinschaftlichen Brotzeit bei der Maxgrotte aus.