Bericht über die Studienfahrt an die östliche Hochstiftsgrenze:
Neunkirchen am Sand und Schnaittach mit Festung Rothenberg
am 21. September 2013

Von Sibylle Ruß
Alle Rechte an den Photographien liegen bei Dieter Morcinek.
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Die letzte Exkursion des Historischen Vereins Bamberg des Sommers 2013 führte an die süd-östliche Grenze des ehemaligen Hochstifts Bamberg. Ziel war Schnaittach und die Festung Rothenberg.

Einstieg in die Thematik des Tages bot der erste Halt in Neunkirchen am Sand, dem süd-östlichsten Punkt des ehemaligen Bamberg Territoriums an der Grenze zum Nürnberger und sog. Rothenberger  Land. Ursprünglich zum Bistum Eichstätt gehörig, kam es 1016 zum neu gegründeten Bistum Bamberg.
In der Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt, einer ehemaligen Kirchenburg mit den ungewöhnlich angelegten Doppeltürmen, begrüßte Pfarrer Dellermann die Gruppe und gab einen Einblick in die aktuelle Situation der Gemeinde und des Seelsorgebereichs Lauf-Neunkirchen/Sand-Kersbach.
Die Kirchenführung übernahm der Historiker Martin Schieber (Verein Geschichte Für Alle, Nürnberg). Neben einem Abriss der Baugeschichte, stellte er die barocke Innenausstattung mit den Altären von Johann Michael Doser, den Deckenbildern des Asam-Schülers Johann Adam Müller und den Stukkaturen von Philipp Jakob Schmuzer vor.
Anschließend führte er in die Geschichte des Rothenberger Landes ein: als kaiserliches Lehen seit dem 12. Jahrhundert im Besitz des Burggrafen von Nürnberg, verkaufte er es im 14. Jahrhundert an Kaiser Karl IV., der die Burg auf dem Rothenberg zur Sicherung seines „neu-böhmischen“ Gebiets, der heutigen Oberpfalz ausbaute.
Mit der Eroberung des Gebiets durch König Rupprecht I. von der Pfalz im Jahr 1401 gelangte es in pfälzer Besitz, bis es Pfalzgraf Otto II.1478 an eine Ganerbengemeinschaft von 44 fränkischen Rittern verkaufte.
In der Reformation wurde das Rothenberger Land evangelisch, im 30jährigen Krieg nahm es der bayerische Kurfürst Maximilian I. ein. Die Ganerben mußten den neuen Landesherrn anerkennen, wodurch das Land wieder katholisch wurde.
Die Burg auf dem Rothenberg kontrollierte nicht nur den Handelsweg von Nürnberg nach Böhmen, sondern sollte die Expansionsbestrebungen der Reichsstadt Nürnberg überwachen.

Bei einem Gang durch die Festung auf dem Rothenberg wurden die beeindruckenden Ausmaße dieser Anlage deutlich. Der bayerische Kurfürst ließ sie am Anfang des 18. Jahrhunderts nach französischem Vorbild anlegen: die weit vorgeschobenen Bastionen, die der Festung ein sternförmiges Aussehen geben, boten optimale Verteidigungsmöglichkeiten bei geringen  Angriffsflächen.
Von den Gebäuden der Festung, auf der zeitweise bis zu 400 Personen lebten, haben sich die Ruinen der Kasernen, des Zeughauses und der Kirche erhalten. In den Kasematten wurde die bedrückende Situation der Mannschaften in Kriegszeiten deutlich.
Als Franken nach 1803 bayerisch und der Rothenberg als Grenzveste überflüssig wurde, diente die Festung zunächst als Gefängnis, wurde aber 1838 aufgegeben und verfiel zunehmend. Erst in den letzten Jahrzehnten konnte eine Sanierung und statische Sicherungen durchgeführt werden.

Die Führung mit Frau Dr. Ina Schönwald durch Schnaittach begann in der Pfarrkirche St. Kunigund, wo Pfarrer Eisend die Gruppe begrüßte. Mit der Stiftung einer Frühmesse im Jahre 1385 wird die Kirche, die vermutlich wesentlich älter ist, in den Quellen fassbar. Einschneidend war eine Kirchenerweiterung 1933, bei der der spätgotische Chor und der Turm stehen blieben und das neue Langhaus nach Plänen von Hans Jakob Wacker, München, im rechten Winkel angebaut wurde. Die letzte große Umgestaltung erfuhr der Kirchenraum 2009 nach Entwürfen von Tobias Kammerer, bei der der Innenraum neue farbliche Akzente erhielt und u.a. in den spätgotischen Chor moderne Glasfenster eingefügt wurden. Frau Dr. Schönwald berichtete vom regenen Bruderschaftsleben im 18. Jahrhundert, das in der Stiftung der Nebenaltäre mit den Figuren von Johann Michael Doser Ausdruck fand. Das Gemälde des Hochaltars, das die seltene Darstellung der Krönung der hl. Kunigunde
zeigt, wurde 1941 von Richard Holzer, München angefertigt. Auf Grund der vom Maler hier wiedergegebenen Gesichtszüge damaliger Stifter war das Altarbild viele Jahre hindurch verhängt. Heute ist das Altarretabel zentraler Punkt des Kirchenraums und stimmig in die neue farblich gestaltete Raumschale integriert.

Von der Kirche führte Frau Dr. Schönwald durch den Ort und auf den Kalvarienberg. Diese beeindruckende Gesamtanlage mit Kreuzweg und Kreuzigungsgruppe wurde im Jahr 1723 auf Betreiben der Corporis-Christi-Bruderschaft angelegt. Höhepunkt ist die Hl.-Kreuz-Kirche mit der barocken Ausstattung und dem Hochaltar mit Pieta als Station der Kreuzabnahme. Unter der Sakristei befindet sich in einer von außen zugänglichen Nische das Hl. Grab, gegenüber die Vorhölle mit den figürlichen Darstellungen der „Armen Seelen“.
Am Schluß fand sich noch Zeit, das Jüdische Museum und Heimatmuseum zu besuchen.
Die Exkursion klang bei einer Einkehr auf der Wolfshöhe aus.

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