Mariaburghausen und Zell am Ebersberg

Von Johanna Gebhardt
Alle Rechte an den Photographien liegen bei Johanna Gebhardt


Die HV-Studienfahrt vom 09. Juni 2018 "Mariaburghausen und Zell am Ebersberg" mit dem Historischen Verein Landkreis Haßberge e. V.  bescherte allen Teilnehmern einen an Geschichte und Natur reichen Tag.

Der Historische Verein zur Pflege der Geschichte des ehemaligen Fürstbistums Bamberg e. V. konnte  auch 2018 freundlicherweise vom Wissen und der Ortskunde des Historischen Vereins Landkreis Haßberge e. V. profitieren. Mark Werner, Schriftführer Historischen Vereins Landkreis Haßberge e. V., leitete die Studienfahrt erfreulicherweise auch heuer wieder.
Bei für Anfang Juni bemerkenswerter Hitze wurden wir, die erwartungsvollen Teilnehmer aus beiden Vereinen, in Mariaburghausen vom Vorsitzenden des Historischen Vereins Landkreis Haßberge e. V., Herrn Wolfgang Jäger empfangen und fachkundig durch die ehemalige, teils gotische, teils barock ausgestattete Klosterkirche bzw. deren historische Reste geführt.
Der frühere Name des Ortes (Marburgshausen oder auch Marcburghusa) zeigt, daß der heutige Name durch eine Vokal-Ergänzung zu Mariaburghausen wurde, wie es für ein Nonnenkloster wohl auch passend erschien.

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Blick in die ehemalige Klosterkirche vom Chor aus gesehen


Gegründet wurde das Kloster durch Lukardis I. von Etzelhausen. 1243 wurde das Kloster dann vom Ort Sturs (dessen Name später in Kreuzthal geändert wurde) hierher verlegt bzw. als Adelsnonnenstift neugegründet. Durch die dadurch begründeten kräftig sprudelnden Einnahmen konnten zahleiche Reliquien erworben und der Ort so auch zum Wallfahrtsort werden.

Wie andernorts auch, kam es im ausgehenden 15. Jahrhundert zunehmend zu Lockerungen in der klösterlichen Disziplin, was die gestrenge Aufmerksamkeit des Bischofs auf sich zog.
So oder so begann aber seit dem Bauernkrieg der Niedergang des Klosters und die zahlreichen Inventarstücke wurden an andere Ort verbracht oder verkauft. 1582 wurde das Kloster von Julius Echter aufgehoben.
Vom ehemaligen Quadrum, dem Kreuzgang, ist ebenfalls nichts mehr vorhanden, die heutigen Gebäude stehen zwar in etwa auf deren Grundriss, datieren aber aus der frühen Neuzeit.
Besitzer des landwirtschaftlich genutzten Gutes ist heute die Universität Würzburg. Gebietsbezogen gehört das Gelände zu Knetzgau, das Kloster zu Hassfurt.  

Gg. 13.30 Uhr machte sich die Gruppe in Fahrgemeinschaften auf zum nächsten Programmpunkt – unterhalb der Burgruine von Zell am Ebersberg erhielt die Zuhörerschaft eine fundierte Führung zur Archäobotanik durch Frau Silke Blakeley, ebenfalls vom Historischen Vereins Landkreis Haßberge.

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Blick vom Parkplatz-Plateau unterhalb der ehemaligen Burg Ebersberg auf Zell


Ein bisher wenig wahrgenommenes Phänomen ist die Tatsache, daß um Burgen herum die Artenvielfalt eminent höher ist. Wie sich inzwischen durch Forschung nachweisen läßt, haben sich um Burgen viele für den Standort an sich unübliche Archäo- und Neophyten oft über Jahrhunderte hinweg erhalten, vermehrt und in der näheren Umgebung erfolgreich ausgebreitet. Dies weist auf deren ehemalige Kultivierung, etwa in Burggärten, und Nutzung  als Nahrungs- und oder Heilpflanzen hin.

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Eine der alten Kulturpflanzen, die häufig um ehemalige Ansiedlungen herum wachsen: die Färberkamille


Frau Blakeley zeigte den Studienteilnehmern eine Vielzahl an bekannteren (z.B. Brennesseln, Kamille, Holunder)  und unbekannteren Pflanzen (Bärenschote, Färberkamille, Nachtkerze, Leberblümchen) deren historische Einordnung meist so nicht bewußt war.
Gegen 15 Uhr erwartete uns auf der Höhe, auf der Wiese wo die ehemalige Burg Ebersberg lag, eine willkommene Kaffee- und Kuchenpause, bei der das bereits Erlebte munter besprochen wurde.
Den Schatten der Kirschbäume nutzend hielt Mark Werner dann ein Kurzreferat über die historische Waldnutzung und ließ die Entstehung und Verbreitung von Baumarten seit der der Eiszeit Revue passieren. Klar wurde: der Mensch hat sehr früh und in allen Kulturbereichen andauernd in die Landschaft eingegriffen und sie geprägt, indem er sie für seine Land- und Forstwirtschaft nutzte und bis heute nutzt. Stetiger Wandel von Klima und Anforderungen an Holz und Nahrung haben dabei Moden und unterschiedlichste Entwicklungen hervorgebracht und gestalten die Landschaft bis heute weiter.

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Verlauf des ehemaligen Zuflusses des sogenannten Eselsbrunnens, heute im Wald noch sichtbar doch verlandet


Die unerträgliche Schwüle und das Grollen ließen es schon erahnen – ein Gewitter war im Anzug. So sind die weiteren Ausführungen von Mark Werner zu den ehemals zur Burg gehörigen historischen Plätzen der Ebersburg (Mauerreste, Schloßbergweg, vermeintliche Zugbrücke, Wasserleitung, Eselsbrunnen und -tränke) auf dem Rückweg zum Parkplatz durch das nahende Gewitter etwas beschleunigt worden.
Doch letztlich schaffte es der harte Kern noch vor dem Regen zur Gaststätte auf dem Zeiler Käppele, wo man zwischen Bier und Spargel-Schnitzel den Nachmittag ausklingen ließ.