Bericht über die Studienfahrt
"Herrschaftliche Gärten in der Fränkischen Schweiz"
am 13. Juli 2013


Von Dr. Norbert Ruß
Alle Rechte an den Photographien liegen bei Dr. Norbert Ruß.
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Die ausgebuchte Studienfahrt des Historischen Vereins Bamberg zu den Gärten der Reichsritterschaft in der fränkischen Schweiz am 13.Juli 2013 fand bei schönstem Wetter statt. Die Fahrt ging über Pretzfeld, (Schloß, Gemälde Curt Herranns, Park) zum Promenadenweg bei Rabenstein, Besuch des ehemaligen Wasserschloßes Weiher über Plankenfels und kurzer Wanderung zum Parasol bei Rabeneck, Mittagessen in Schönhof, nachmittags die verschwundenen Gärten von Aufseß, anschließend Oberaufseß und zum Abschluß der ehemalige fürstbischöfliche Park von Greifenstein. Abendessen war in Obergrub.

Ziel der Studienfahrt

war die unterschiedlichen Arten von reichsritterschaftlichen Gärten kennen zu lernen:
  1. Burggärten bzw. Gärten zu Burgen, die sowohl der Selbstversorgung dienten als auch als Lustgärten angelegt waren (Kohlstein, Pottenstein),
  2. Parks der Barockzeit, die in reichsritterschaftlichen Besitz übergingen und Ihre Vorbilder in Seehof und in der Erimitage in Bayreuth hatten (Greifenstein, Plankenfels),
  3. Nutzgarten der Barockzeit bei merkantilistischen Bemühungen (Aufseß),
  4. Landschaftsparks und Felsengärten (Promenadenweg bei Rabenstein, Unterleinleiter und Kühlenfels),
  5. Historistischer Garten und Park Ende des 19. Jahrhunderts (Oberaufseß),
  6. Moderner Garten in den Resten einer reichsritterschaftlichen Burg (Weiher),
Gärten unter 1 wurden nur im Vortrag erwähnt und nicht angefahren, da sich nichts erhalten hat und diese nur aus Quellen bekannt sind. Die Gärten von Kühlenfels und Unterleinleiter waren bereits früher einmal schon in einem anderen Zusammenhang besucht worden. Sie wurden der Vollständigkeit halber referiert.

PRETZFELD

Pretzfeld war nach dem Aussterben der Stiebar 1762 wieder an das Hochstift Bamberg heimgefallen. Adam Friedrich von Seinsheim verlieh als Fürstbischof das Rittergut im folgenden Jahr an seinen Bruder Joseph Maria Graf von Seinsheim.
König Ludwig I. und Königin Therese von Bayern übernachteten während ihres Besuchs in der fränkischen Schweiz im Juni 1803 sich auf dem Schloss Pretzfelder. Den Tag hatten sie in Rabenstein verbracht.
Nachden das Patrimonialgerichtes 1848 aufgelöst worden ist, verkauften die Herren von Seinsheim 1852 das Schloss an einen jüdischen Bankier Kohn. Der Maler Curt Herrmann hat das Schloss erheiratet durch seine Ehe mit der Enkelin Kohns und es befindet sich bis heute im Besitz seiner Nachfahren.
Während der Nazizeit mussten die Erben nach England emigrieren. Ein Teil der Schlossparks wurde damals in der Reichskristallnacht zerstört. Seit 1946 unterhielt die Firma Siemens ein Forschungslabor im Schloss und im Park, später ihre Tochterfirma Eupec. Nach weiterer Expandierung der Firma wurde Pretzfeld als Firmenstandort aufgegeben. Nach dem Abbruch eines Großteils der Lager und Fertigungshallen wurden begonnen den Schlosspark zu rekultivieren.
Vor mittelalterlichen und frühzeitigen neuzeitlichen Garten haben wir Nachricht. Der heute noch dominierende Barockgarten dürfte in der Zeit nach 1710 entstanden sein, in der auch versucht wurde das Barock das Schloss zu barockisieren und der Nordfassade eine symmetrische Gliederung zu geben. Der Garten hat eine Mittelachse von etwa 220 m, beim Schloss befand sich der Parterrebereich mit einem Wasserbecken und Neptunbrunnen. Im weiteren Parkbereich gab es noch mehrere Figurengruppen, die sich in Resten erhalten haben. Weite Segmentbögen aus Hainbuchen-Hecke trennten den repräsentativen Park vom landwirtschaftlich genutzten Gartenraum. Aus dem Barockgarten hat sich neben der zentralen Achse noch ein Lindenrondell im Westen erhalten.
Nach dem Kauf des Schlosses durch den jüdischen Bankier Joseph Kohn wurde der Engländer Henry King mit der Pflege und Umgestaltung des Gartens beauftragt. Im Bereich der Mittelachse erfolgte eine Umgestaltung im Sinn eines Landschaftsgartens, der jedoch noch heute die barocke Grundstruktur erkennen lässt.
1913, als Pretzfeld eine Wasserleitung von Poppendorf zum Ort legte, wurde auch der Schlossgarten angeschlossen und ein Tennisplatz angelegt. Dieser ist nicht erhalten.
Durch die Heirat von Sophie Herz, der Enkeltochter des jüdischen Bankiers Josef Kohns kam Curt Herrmann wohl einer der wichtigsten Vermittler des französischen Neoimpressionismus nach Pretzfeld. Der Künstler hatte 1893 in Berlin eine Malschule eröffnet, in der seine spätere Ehefrau Schülerin war. 1896 kam er zum ersten Mal nach Pretzfeld, im März 1897 heiratete der Künstler dann seine Schülerin.
In der Folgezeit hielt sich Herrmann jeden Sommer in Pretzfeld auf und es entstanden zahlreiche Gemälde zum Park, der fränkischen Schweiz und zum Schloss. Im Schloss selbst befindet sich noch heute eine eindrucksvolle Ausstellung seiner Gemälde, die in Augenschein genommen werden konnte.

Schloss Unterleinleiter

Das Schloss Unterleinleiter wurde bereits auf einer früheren Studienfahrt besucht und ist privat bewohnt. Urkundlich ist es 1372 erstmals erwähnt, wurde 1523 nach der Zerstörung im Bauernkrieg wieder aufgebaut, 1690 durch einen weiteren Großbrand wieder zerstört und aufgebaut. Seit 1757 ist es im Besitz der Freiherren von Seckendorff, seine heutige Gestalt stammt aus dem Jahr 1700. Die Familie bewohnte das Schloss bis 1952. 1985 ging es in Privatbesitz über, der Schlossgarten wurde damals rekonstruiert bzw. neu angelegt.
Der Schlossparks (ca. 17 ha) ist heute sowohl ein Felsen, als auch ein Landschaftsgarten. Im Park befinden sich auch zahlreiche moderne Kunstwerke, unter anderem Skulpturen des Bildhauers Harro Frey.
Die Gärten von Sanspareil und Unterleinleiter haben Ähnlichkeiten. Leider sind für Unterleinleiter aus der Zeit von 1600-1809 keine Archivalien erhalten. Der Gärtner Johann Dietrich Wasmuth legte den Garten von Schloss Unterleinleiter an. Die Tochter des Bayreuther Hauptmannes Friedrich Ludwig von Lüchau empfahl dem Gärtner an das Markgrafenpaar Friedrich und Wilhelmine von Bayreuth, dort war er ab 1744 in Sanspareil tätig.
Üblicherweise ahmten die Reichsritter die Gärten der umliegenden Fürsten nach, hier jedoch übennahm der Fürst von Bayreuth den Gärtner aus der Reichsritterschaft.

Kohlstein

Die Burg Kohlstein wurde nicht besucht, sondern nur erwähnt. Sie findet sich zuerst im Kopialbuch 1486 des Bischofs Philipp Graf von Henneberg und wurde von Konz von Hirschaid erbaut. Die Geschichte der Burg Kohlstein ähnelt der Geschichte von vielen Burg in der fränkischen Schweiz, die mehrfach niedergebrannt und wieder aufgebaut worden.
Interessant ist, daß 1556 ein Baum und Hopfgarten in den Urkunden nachweisbar ist und ein Lustgarten, der von Mauern umgeben war. Ähnliche Garten zu Selbstversorgung sind von der Burg Pottenstein bekannt Leider hat sich von den spätmittelalterlichen bzw. frühneuzeitlichen Garten nichts erhalten.

Kühlenfels

Auch das Schloss Kühlenfels war bereits auf einer früheren Studienfahrt unter der Leitung von Professor Krings besucht worden.
Die Geschichte des Schlosses darf ich mir an dieser Stelle sparen. Wichtig bei dieser Studienfahrt war, daß aus Quellen des 19. und des frühen 20. Jahrhundert eine weitläufige Gartenanlage überliefert ist, die von Christoph von Guttenberg um 1800 in die landschaftlich reizvolle Kulisse des Klumpertals eingebettet wurde.
Von Pfarrer Friedrich Wachter, von dem der Historische Verein letztes Jahr eine von ihm geschenkte Spieluhr des späten Rokoko ausgestellt hatte, gibt es die: „Geschichte des ehemaligen Pflegeamts und der Pfarrei Pottenstein sowie Filiale Kirchenbirkig und des Herrschaftssitzes Kühlenfels" die 1895 in Bamberg erschienen ist. Ich darf hier einen Auszug einstellen.
„Eine viertel Stunde von unserem Nacht-Quartier verweilen wir bei einer mit schönen Buchen bekrönten Felsengruppe, und kamen bald darauf in einen Fichtenwald, wo uns ein Landmann als Wegweiser diente. Dieser erzählte uns viel von einem schönen Garten zu Kühlenfels welcher unserem Weg, der über Kirchen-Birkach, führen sollte, rechts zur Seite lag. Wir beschloßen, sogleich diesen Garten zu besuchen. (...) ein freundlicher Gärtner erschien und erbot sich, 'uns in die neuen Anlagen zu führen. Wir, folgten ihm nun in ein kleines Thalgründchen hinab, dessen beide Abhänge mit jungem Nadelholz bewachsen sind. Der schöne, geebnete Weg führte bald auf bald abwärts, bei einigen Sizzen vorüber, und zog sich zu einer ziemlichen Höhe hinauf.' Endlich traten wir aus dem dicken Walde, der bis jetzt jede Aussicht versperrt hatte, auf die Spitze eines Felsens hinaus, und eine Feen weil schien sich vor uns aufzuthun. Wir traten in einen offenen, aus rohen Säulen erbauten Tempel, (Derselbst besteht nicht mehr doch heißt der Ort oberhalb der Klumpermühle, wo er stand, noch heute: der Tempel, von den übrigen Anlagen sind noch zahlreiche Spuren vorhanden! (Anm. Wachter) und überschauten von hier die ausgebreitete Gegend. Unser Standpunkt war eine Stein- Masse, die senkrecht aus dem Thale heraufiragte, welches sich in schauerlicher Tiefe von Süd nach Nord hinzieht. Wie das Bett eines versiechten Flusses ist es von Felsenufern eingeschlossen, die bald als gigantische Massen zertrümmert umherliegen und mit Gebüsch bekränzt sind, bald als kahle Mauern emporsteigen. In dem schmalen Wiesengründchen rinnet ein klarer Bach, und man höret hier oben das Rauschen einer kleinen Mühle, welche er in Bewegung setzt. Ein Sonnenschirm, welchen man in der Entfernung wahrnimmt, bezeichnet die Richtung, der man, folgen muss,um alle Parthien der Anlage zu finden. Auf einem schmalen Pfade stiegen wir abwärts und fänden, unter einem Felsenabhange, ein einfaches Grabanal, welches der Schöpfer dieser Anlagen und Besitzer des Gutes, Freiherr von Guttenberg, dein Andenken seiner verstorbenen Gemahlin errichtet hat. Dasselbe, eine kleine Pyramide auf quadratischem Sockel sieht noch, ist abgeschlagen und wird von den Bauern ganz pietätlos zum Schleifen der Messer und Sensen benutzt; es trägt auf der einen Seite die Inschrift: 'So war die beste Mutter!', auf dem Sockel die Verse 'Ich öffne, meines Herzens Wunde und fühl nun zweifach deinen Tod!" Eine hohe Fichte mit melancholisch gesenkten Aesten beschattet den Ort, und ein schwarzes Kreuz i.st oben darüber auf einem Felsenabhang aufgerichtet. Von hier führt uns eine Bogenbrücke über eine Schlucht, in der sich bei Regenwetter die gesammelten Gebirgswasser; als rauschender Gießbach, ins Thal stürzen. In der Nähe, auf einer von hohen Tannen umgebenerFelsenMasse, ist eine Eremitage erbauet, ein einfaches mit Rindebekleidetes Häuschen, ganz geeignet der Aufenthalt eines Weltreisenden zu sein, der sein Leben der Betrachtung der hohen Natur geweihet hat. Hoch über uns sahen wir hier den Tempel und das Kreuz auf ihren Felsen und nahe zu unseren Füßen die Mühle. Steigt rnan jetzt wenige Schritte den steil aufwärts ziehenden Weg hinauf, so erblickt man plötzlich ein Ungeheuer. Ein Krokodil oder ein Drache scheint es zu sein, der seinen Riesen-Körper aus der Erden hervorhebt, und mit seinen, mit spitzen Zähnen besetzten Rachen uns zu verschlingen drohet. Wohlgefällig lächelte unser Führer; sobald er uns merken ließ, daß er der Schöpfer dieses Wunder sei. Er ließ nämlich einen gespaltenen Felsblock bemalen in die Spalten Zähne und eine rothe Zunge einsetzen. Bei ferner Verfolgung des Weges fanden wir versteckte Lauben und Bänke, von denen man eine freie Aussicht genießt, und endlich einen Sonnenschirm auf hoher Klippe.  Vom Schirme an ging es abwärts, und durch eine düstere enge Kluft stiegen wir in eine Grotte hinab, die von einem überhängenden Felsen gebildet und der Kühle Fels genannt wird ..."
Bei Kunstmann als Landschaftsgarten bezeichnet dürfte es sich aber hier eher um einen Felsengarten handeln, bei dem durch wirkungsvolle Pflanzung die landschaftlichen Schönheiten besonders hervorgehoben worden sind.

Der Promenadenweg um Rabenstein

Der Promenadenweg rund um den Rabenstein wurde 1830 anlässlich des Besuchs von König Ludwig I und seiner Gemahlin Theresia vom Grafen Franz Erwein von Schönborn angelegt. Dieser Promenadenweg kann auch als eine Art Felsen bzw. Landschaftsgarten bezeichnet werden. Er wurde wirkungsvoll um die Burg Rabenstein angelegt und führte durch Höhlen, die zum Teil vergrößerte Eingänge bekamen und deren Boden geebnet wurde, zu Aussichtspunkten und Felsgruppen.
Acht 1830 empfiehlt Joachim Heinrich Jaeck den Promenadenweg mit folgten Worten: "... diese von der Natur so hoch begünstigte Parthie, die durch den Kunstsinn des Reichsraths Grafen Erwin von Schönborn zu einem der herrlichsten Punkte der fränkischen Schweiz umgeschaffen worden war ...".
Auch von Pückler Muskau, wohl dem größten Landschaftsgärtner des 19. Jahrhunderts, haben wir eine Beschreibung des Promenadenweges. Bevor er den Promenadenweg erreichte hatte, musste sich Fürst Pückler Muskau verlaufen haben: "Wir mussten mit Schwierigkeit an den Felsen hinabklettern, um auf den gebahnten Weg zu kommen, den der Besitzer mit Geschmack rund um das Thal geführt hat. Wir bedurften zwar noch eine lange Zeit, ehe wir die Burg erreichen konnten, doch fehlte es nicht an Entschädigung. Ihr Anblick von so verschiedenen Punkten, weithin eine alte Kapelle auf isolierter Spitze , gigantische Felsentore, Höhlen, Baumeffekte, der Bach im tiefen Grunde, Alles war schön und anziehend. Mitten in dieser wilden und erhabnen Natur traf ich plötzlich auf ein unscheinbares, kleines Tempelchen, von Baumstämmen und Rinde über einer Quelle erbaut. Als Ruhesitz nicht übel, aber welche seltsame und an den Haaren herbeigezogene Inschrift! Sie lautete im Auszuge: 'Heil dem Manne, der jetzt verklärt unter den Sternen steht, einst aber auch unter uns weilte. Heil dem Manne, der uns Liebe, Demuth und Tugend zur Religion gab, als er auf der Erde wallte!"
Am Promenadenweg befanden sich zeittypische Zutaten wie der Schönbornbrunnen, eine Eremitage und ein so genanntes Parasol. Für den Historischen Verein Bamberg ist die an diesem Weg liegende Ludwigshöhle von besonderem Interesse, gab doch dort seinerzeit der König den Anstoß zur Gründung des Historischen Vereins. In einer Studienfahrt unter der Leitung von Herrn Dr. Braun wurde anlässlich des 170-jährigen Gründungsjubiläum in dieser Höhle dem Ereignis gedacht und darauf mit eigens dafür mitgeführtem Sekt angestoßen.

Weiher im Ahorntal

Für die Geschichte des Schlosses Weiher im Ahorntal sei an die Arbeiten von Kunstmann erinnert, so dass an dieser Stelle die Geschichte nicht wiederholt werden muss. Nach dem Aussterben des letzten Rabensteiners fiel das Lehen in der Schönborn Zeit an das Hochstift zurück. Das Gut wurde nun schönbornliches Lehen und später 1855 Familienbesitz. Für die Schönborn war Weiher ausschließlich ein Gebäude für die Domänen- und Forstverwaltung für ihren Besitz in der fränkischen Schweiz mit den Orten Rabenstein, Rabeneck, Kirchahorn und den Meierhöfe Schönhof und Rabenstein.
Das Schloss selbst wurde 1859 weitgehend abgebrochen, 1979 verkauft. Das Ehepaar Stumptner erwarb die Reste des ehemaligen Schlosses, saniert diese und legten im ehemaligen Hofraum einen einheitlichen Garten an. Von der Aussichtsterrasse aus kann man die Reste des Renaissanceschlosses im Schlossgraben unter dem Wasserspiegel sehen. Die Bemühungen der Familie Stumptner wurde 1995 mit der Verleihung des Denkmalschutzpreises der Oberfrankenstiftung gewürdigt.
Von frühen Gärten um das Schloss in Weiher wissen wir aus dem Rabensteiner Gesangbuches von 1707. Hier findet sich auf dem Titelkupfer der Garten angedeutet. Für die Geschichte des Schlosses und des Gartens sei auch auf die Aufsätze von Dr. Günter Stumptner im Heft: "Die Fränkische Schweiz" verwiesen.
Der heutige Garten wurde ab 1986 im Rahmen der Sanierungsmaßnahmen des Ehepaar Stumptner neu angelegt. Die ehemalige Pappelallee wird heute durch eine Reihe von Kugel Ahornen neu erlebbar. Im Garten finden heute Skulpturenausstellungen von zeitgenössischen Künstlern statt, so auch von Bamberger Bildhauer Wagenhäuser. Auch der fränkische Theatersommer hat hier eine seiner Spielstätten. Handelt es sich bei dem heutigen Schlossgarten von Weiher um keinen reichsritterschaftlichen Garten mehr, so ist es jedoch eine sehr reizvolle Anlage im Bereich eines ehemaligen reichsritterschaftlichen Schlosses.

Plankenfels

Plankenfels stellt das Musterbeispiel eines barocken Garten da, der aufgrund der geographischen Gegebenheiten neben dem Schloss angelegt werden musste und mit diesem durch eine Lindengang verbunden war. Die sehr traditionell eingestellte Reichsritterschaft mochte bei dem Wiederaufbau ihres Schlosses auf dem angestammten Platz auf dem Felsen zur Talkante nicht verzichten.
Auch hier sei für die Geschichte die Schlosses Plankenfels auf Kunstmann verwiesen. 1744 wird von Siegfried Ludwig Christoph von Schlammersdorf das Schloss neu barock erbaut und mit dem Schloss wurde vermutlich auch der barocke Garten angelegt.Die Anlage des Gartens kann noch aus dem Extraditionsplan von 1854 nachvollzogen werden. Es handelt es sich um einen rechteckigen Garten, der in vier Felder eingeteilt war mit zentralen Rondell. Was an dem Garten erstaunt, ist der damals angesetzte Wert von 1500 Gulden. Von den Garten wissen wir, dass er verschiedene Bogengänge aufwies. Bei Heller ist in seinem Reiseführer 1829 der Garten noch erwähnt. Vom Garten selbst führte ein Hecken-Gang seitlich des Dorfes zum Schloss. Von diesem Gang haben sich haben sich noch einige Hainbuchen erhalten, an denen man noch den Erziehungs-Schnitt ablesen kann. Der Garten mit Plankenfels ist heute einer Streuobstwiese.

Unteraufseß

Über das Geschlecht und die Burg von Aufseß zu schreiben ist hier fehl am Platz. Aus dem Extraditionsplan von 1850 ist uns ein ganzes System von Gartenanlagen und Wegen inner- und außerhalb des Schlosses überliefert. Die Garten von Aufseß währen einer eigenen Arbeit wert.
Interessant ist, daß in der Nähe der Burg Aufseß um 1750 im Zuge merkantilistischen Bestrebungen Weinbergsterrassen angelegt wurden, die sich bis heute erhalten haben. Leider gefährdet die Bepflanzung mit Fichten den Bestand dieser Trockenmauern.

Oberaufseß

Auch die Geschichte des Schlosses Oberaufseß soll hier nicht weiter erörtert werden. Im Rahmen der Konfessionsgeschichte sind die Streitigkeiten der katholischen und protestantischen Linie ausgesprochen interessant. Sie spielen aber bei der Betrachtung der reichsritterschaftlichen Gärten, dem diese Studienfahrt gewidmet war, keine Betrachtung. Oberaufseß war bei diese Studienfahrt das Beispiel für einen historistischen Garten.
Hugo von Aufseß baute ab 1890 das Schloss Oberaufseß um und errichtete den historistischen Westturm. Im Westen des Schlosses legte er eine Allee zum so genannten Hugoturm, ein neu gebauten Aussichtsturm an. Bei dieser Umgestaltung der Jahrhundertwende wurde auch der historische Schlossgarten, der eigentlich der Versorgung der Bewohner diente, in einen Rosengarten umgewidmet. Bereits früher war der ehemalige Gefängnisturm um ein Stockwerk erhöht worden um ihn als Belvedere zu benutzen. Gleichzeitig wurde er die Verbindung zwischen der Burg und dem südlichen Schlosshang. Hugo von Aufseß errichtete auch die heute ruinöse Kegelbahn.
Auf dem südlichen Schlossberg legte Hugo von Aufseß seinen historistischen Garten an, das damals erbaute Tee-Häuschen vor den Südmauern der Burg von etwa 1869 existiert noch. Vor der Schlossmauer verläuft eine große Terrasse, die von einer eisernen Pergola überspannt wird. Vor dem eigentlichen Schlossgebäude befindet sich eine halbkreisförmige Terrasse, von der aus eine Treppe ins Tal führt und mit einem Rosenbogen abgeschlossen war. Noch heute ist diese Anlage gut zu erkennen.
Auch der Schlosspark zum Tal der Aufseß ist heute im Forst noch ansatzweise erkennbar. Einst bestand im Talgrund unterhalb des Schlosses eine Wegkreuzung, die mit vier Linden gekennzeichnet war, von denen noch drei heute erhalten sind. Von hier aus führte ein Rundgang zum Schweizer Haus, das heute abgebrochen ist. An seiner Stelle hat sich die Schweizerhaushöhle noch erhalten. Überragt wurde das Schweizer Haus vom Galeriefelsen, von dem man einen guten Ausblick ins Tal hat. In diesen Parkteil befindet sich auch die noch heute bestehende Bogenbrücke, die so genannte Schlangenbrücke. Der Park südlich der Burg und die Allee westlich bildeten ursprünglich eine Einheit.
Wesentliches Merkmale eines historistischen Garten die Vermischung der Bestandteile aller vorher bestanden Gartenstile. So gab es in Oberaufseß eine Terasse vor den Burgmauern mit Bellvedere und Teehaus, einen Rosengarten im Sinne eines barocken Parterre und weit ins Umland ausgreifende, auf das Schloss bezogene Alleen mit Ausstattungs-Merkmalen eines romantischen Landschaftsgarten.

Greifenstein

Greifenstein ist ebenfalls ein Beispiel für das Übergehen eines erloschenen Lehens in den Besitz der fürstbischöflichen Familie. 1761 wurde Fürstbischof Marquard Sebastian Schenk von Greifenstein für seine Verdienste um das Hochstift das reichsritterschaftliche Lehen der ausgestorbenen Herrn von Streitberg verliehen, das dann in den Besitz seiner Familie überging. Das Schloss selbst befand sich damals in einem schlechten Zustand, so dass es von Leonhard Dientzenhofer als Jagdschloss 1693 weitgehend neu gebaut wurde.
Marquard Sebastian Schenk von Greifenstein hat in Bamberg das Schloss Seehof errichten lassen, unter seiner Regierung wurde auch die ehem. Jesuitenkirche 1791 vollendet.
Das Schloss Greifenstein wurde zwischen 1691 um 1693 weitgehend neu erbaut. Mit dem Schloss wurde auch der Park angelegt und zwar auf einem Hochplateau unter der Burg. Durch seine Lage auf dem Burgberg hatte das Schloss ein landschaftlich beherrschende Stellung, die nicht zusätzlich, wie bei Schloss Seehof, durch die Anlagen von Alleen aus der Umgebung, der Landschaft hervorgehoben werden mussten.
Der Schlosspark wurde in den folgenden 100 Jahren mehrfach ergänzt und erweitert. Ende des 18. Jahrhunderts wurde er in einen englischen Park umgewandelt, insbesondere der westliche Parkrand zur Talkante. Nach 1945 erfolgde eine zunehmende Vernachläßigung und Umwandlung in forstwirtschaftliche Nutzung.
Zum barocken Park
Die Hauptachse des Parks ging vom Kanonenplatz, wo ein großes Tor zum Park stand, das allerdings keine Torflügel hatte, über das Parterre zum so genannten chinesischen Pavillon. Über das Aussehen der barocken Gartenanlage am Ende des 18. Jahrhunderts sind wir durch einen Plan unterrichtet, der noch heute im Schloss vorhanden ist. Dieser Plan wurde von Johann Franz Romanus Schenk von Stauffenberg beauftragt, der den Park erweiterte und ergänzte. Der Plan stammt aus der Hand des hochfürstlich bambergischen Feldmessers Johann Heinrich Handel. Bei dem Planer handelt es sich um eine Bestandserfassung und nicht um einen Entwurf des Gartens, deshalb dürften die dort erfassten Elemente des Gartens tatsächlich bestanden haben. Der Tempel der Ceres, der heute sogenannte Rote Turm, begrüßt den Besucher des Schlosses Greifenstein. Es bildete den östlichen Zugang zum Park. Der Erbauer dürfte Johann Franz Romanus Schenk von Stauffenberg gewesen sein.
Im Unterschied zu Schloss Seehof war der Park von Greifenstein nie mit einer Mauer umgeben, vermutlich war der Respekt der Untertanen vor ihrem fürstbischöflichen Herrscher ausreichend, um den Park ungestört nutzen zu können. Weiter waren vermutlich die Untertanen mit Arbeit reichlich ausgelastet und die Besiedlung so dünn, dass nicht mit Störungen des Hoflebens zu rechnen war.
Der Plan von Handel von 1781 zeigt eine weitere Sichtachse vom Tempel der Ceres in nordöstlicher Richtung, die Kirschen und Zwetschgenallee, die etwa dort endete, wo heute der Obelisk steht. Der Parterrebereich zeigt geometrisch angelegte Beete und zwei Lusthäuser, von denen eines heute noch besteht. Im Zentrum des Parterres befand sich ein Springbrunnen, der auch heute noch nachzuweisen ist.
Eine Beschreibung des barocken Parks haben wir von Georg August Goldfuß von 1810, zu einer Zeit als vermutlich der barocke Park in seiner ursprünglichen Form nicht mehr bestand: "Rasentreppen, mit beschnittenen Hecken eingefaßt, führten sonst dahin. Bogengänge, Bäume die zu Pyramiden umgeforrnt waren, und mit Buchs eingefaßte, symmetrisch geordnete Blumenbeete und Bildsäulen, welche Zwerge, die vier Jahreszeiten mit Reifröcken angethan, Affen und andere Thiere vorstellten, fand man sonst hier. Dies ist jetzt alles verschwunden."
Nordwestlich des Parterres befand sich die Gärtnerei mit dem Palrmenhaus. Die Gärtnerei warum 1760 errichtet worden und bis in die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg in Betrieb.
Vom Parterre des Parks, das als Rondell ausgebildet war, zog eine Kastanienallee zum heutigen "weißen Türmla". Diese Kastanienallee verlief zum Teil als Dammweg und war mit Hainbuchen Hecken unterpflanzt. Seitlich der Allee befanden sich Äcker. Eine Rasentreppe führte vom chinesischen Pavillon zur Kapelle, die später in einen Ruinenkapelle umgebaut wurde. Die Rasentreppe war mit Natursteinen gegliedert und Rosen bepflanzt. Seitlich befanden sich Schneebeerensträucher.
Goldfuß beschreibt die Kapelle 1826 folgendermaßen: "Unter schwarzen Fichten erhebt sich hier ein Gothisches Gebäude. Eine Treppe führt in selbigem zu einer Halle hinauf, deren Fenster aus gemaltem Glase bestehen, die aus mehreren, durch die Revolution zerstörten, Kirchen jenseits des Rheins hierher gerettet wurden. Zeichnungen und Farbenglanz lassen uns die Kunst unserer Vorfahren bewundern."
Die Hangkante des Hochplateaus zum Tal war bereits in der Barockzeit offensichtlich als Landschaftsgarten oder Felsengarten konzipiert, wie dem Plan von 1781 zu entnehmen ist. Dieser Bereich des Parks war durch gewundene und geschwungenen Wegen erschlossen. Hier fanden sich Sitzgruppen und kleine Gartenarchitekturen.
Die eigentliche Umwandlung des barocken Gartens in einen Park, einen Landschaftsgarten, erfolgte durch den Gärtner Simon Pölzel, geboren 1734 in der Steiermark. In Franken gestaltete dieser Gärtner auch den Garten der Jägersburg bei Forchheim und den Konventgarten in Kloster Banz. 1806 starb Pölzel in Greifenstein und wurde im Park beerdigt.
Ganz im Geist der Romantik wurde die barocke Kapelle in eine neugotische Ruinenkapelle umgewandelt, Erbauer war Franz Ludwig Schenk von Stauffenberg. Die Kapelle ist heute in einem sehr schlechten Zustand und bedürfte dürfte dringend einer Instandsetzung.

Literaturhinweise

Für die Garten von Schloss Greifenstein darf auf eine Arbeit von Eckehart Weiß mit Schülern des Ehrenbürggymnasiums Forchheim 1994 hingewiesen werden: "Die versunkenen Garten von Schloss Greifenstein", die in Heimat Bamberger Land erschienen ist und auch aus dem Internet leicht herunterzuladen ist. (Zum Download der PDF-Datei)
Als weiteres Literaturstudium empfehlen sich die Arbeiten von Kunstmann zu den Burgen der fränkischen Schweiz und ganz besonders das Werk von Kai Kellermann: Herrschaftliche Gärten in der fränkischen Schweiz.


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