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Kurzbiographien bedeutender Vereinsmitglieder

WILHELM AMENT (1876–-1956)
PSYCHOLOGE, VERLEGER UND FORSCHER

von CHRISTOPH WOJACZEK in BHVB 141 (2005) 138–-140
Wilhelm Ament war Mitglied der traditionsreichen Verlegerfamilie Buchner. Im 1832 gründete Lorenz Buchner (1775–-1852) in Bayreuth eine Buchhandlung und verlegte ab 1833 auch Bücher. Nach der Übergabe der Leitung an seinen Sohn Carl Christian Buchner (1817–-1886) übersiedelte dieser 1850 das Unternehmen, das heute noch seinen Namen trägt (C. C. Buchners Verlag), nach Bamberg. Als Enkel C. C. Buchners wurde Wilhelm Ament am 1. November 1876 in Zweibrücken (Pfalz) geboren. Eine solide, humanistische Gymnasialbildung als Grundlage für sein späteres Forschen erhielt Ament an seinem Geburtsort Zweibrücken und in Bamberg, wo er am Alten Gymnasium, dem heutigen Kaiser-Heinrich-Gymnasium, seine Reifeprüfung ablegte.
Sein Studium, das er an der Universität Würzburg in den Fächern Naturwissenschaften, Philosophie und Psychologie führte, beschloß er 1900 mit der Promotion bei seinem Lehrer, dem Psychologen Oswald Külpe. In diesen Jahren am Würzburger psychologischen Institut war Ament auch Mitglied der von Külpe begründeten „Würzburger Schule“. Diese Teilnahme an der Würzburger Schule gab Wilhelm Ament auch den Anstoß zu seinen wissenschaftlichen Studien auf dem Gebiet der Kinderpsychologie, „Die Entwicklung von Sprechen und Denken beim Kinde“ (1899) und „Die Seele des Kindes“ (1906). Seine grundlegenden Forschungen prädestinierten ihn für eine akademische Laufbahn, die er 1909 auch an der Universität Jena angetreten hätte, wenn er nicht in die Leitung des finanziell angeschlagenen C.C. Buchner-Verlages in Bamberg berufen worden wäre.
Der Verleger Wilhelm Ament übernahm fortan die Aufgabe, den C.C. Buchner- Verlag zu dem renommierten Unternehmen auszubauen, das es heute ist. Er gab dem Verlag sein unverwechselbares Profil als Schulbuch-Institut, was er nicht zuletzt auch durch Verkauf der juristischen Abteilung erreichte. Die Übernahme der Verlagsleitung zeigte auch den Schritt in das zweite Gebiet seiner wissenschaftlichen Forschungen an, das Gebiet der historischen und heimatkundlichen Forschungen. 1909 wurde Wilhelm Ament Mitglied des Historischen Vereins und 1916 in den Vereinausschuß als Beauftragter für die prähistorischen Sammlungen berufen, eine Tätigkeit, die er bis 1945 wahrnahm. Seine Verdienste würdigte der Verein 1936 mit der Ehrenmitgliedschaft.
In diese heimatkundliche Schaffensperiode fallen seine zahlreichen Publikationen über Bamberg: 1912 schrieb er zusammen mit Peter Schneider „Bamberg, die fränkische Kaiser- und Bischofsstadt“, einen Bamberger Stadtführer, den er 1929 unter siedlungsgeschichtlichen Aspekten neugestaltete und überarbeitete. 1922 folgte „Bamberg, Obermain und Regnitzgau, Steigerwald, Haßberge, Jura“. Zahlreiche Aufsätze über „Die alte Hofhaltung in Bamberg“ (1922), „Das älteste Bamberg“ (1924), „Die Burg zu Bamberg unter Heinrich II.“ (1924), „Alte Straßennamen und neuere Umtaufungen in Bamberg“ (1925) etc. runden seine Studien ab. Neben der Bamberger Geschichte fand auch die Bamberger Kultur Aments besonderes Interesse und Unterstützung. Er war Gründungsmitglied der E. T. A. Hoffmann-Gesellschaft (1938) und machte sich um den Aufbau des E. T. A. Hoffmann-Museums verdient. Auch das Bamberger E. T. A. Hoffmann-Theater profitierte von seinem Elan und Einsatz für kulturelle Werte: Ament war Mitglied im Bamberger Bühnenvolksbund, der eine Wiedereröffnung der Bamberger Bühne anstrebte. 1958, zwei Jahre nach Aments Tod, wurde dieses Ziel erreicht. Seine Verehrung von E.T.A. Hoffmann kam auch in zwei kleinen Schriften zum Ausdruck: „Bamberg und sein Theater“ (1950) und „E. T. A. Hoffmann in Bamberg“ (1951). Wilhelm Ament konnte noch die Widmung des 95. Berichts des HV zu seinem 80. Geburtstag entgegennehmen, ehe er völlig unerwartet am 13. November 1956 verstarb.