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Kurzbiographien bedeutender Vereinsmitglieder

MICHAEL DEINLEIN (1800–-1875)
ERSTER VEREINSVORSTAND, BISCHOF UND KULTURMÄZEN

von JOSEF URBAN in BHVB 141 (2005) 152–-160
Der 37. Bericht über den Stand und das Wirken des historischen Vereins für Oberfranken in Bamberg im Jahre 1874 enthält einen Nachruf auf eine Persönlichkeit, den man in einem regionalen geschichtlichen Organ heute nicht mehr unbedingt erwarten würde. Auf 16 Seiten zeichnet der 1. Vereinsvorstand und Bamberger Domdekan Johann Rothlauf (1806–1831) eine ehrenvolle Skizze des kurz nach Jahresbeginn am 4. Januar 1875 verstorbenen Bamberger Erzbischofs Michael von Deinlein. Lesen wir aber schon nach wenigen Zeilen über den Zweck dieses Nachrufes, Deinleins Verdienste um Studium und Wissenschaft im Allgemeinen und um unseren histor(ischen) Verein, dessen langjähriges Mitglied er war, im Besonderen den Vereins-Mitgliedern darzulegen, wandelt sich unser Verwundern in Verstehen. Dies um so mehr, wenn bekannt gemacht wird, daß Deinlein sogar von 1851 bis 1856 als Erster Vorstand den Verein leitete.
Die Fertigstellung und Auslieferung des Berichts für das Jahr 1874 muß erst im Sommer 1875 erfolgt sein, wie der Abdruck des Beileidschreibens an den preußischen Kronprinzen Friedrich Wilhelm vom 1. Juni 1875 zum Tod des Kgl. Preußischen Hausarchivars Dr. Traugott Märker in Berlin verrät. So konnte der Nekrolog noch zeitnah zum Tode Deinleins erscheinen.
Ehe wir uns der Bedeutung Deinleins für den Historischen Vereins Bamberg zuwenden, sei sein Leben und Wirken kurz skizziert, wobei die Ereignisse nur punktuell angedeutet werden können.

Biographische Anmerkungen
Die Wiege des im 75. Lebensjahr verstorbenen Bamberger Erzbischofs stand in dem damals zur Pfarrei Neunkirchen am Brand gehörenden Filialdorf Hetzles. Am 26. Oktober 1800 wurde er als erstes von sieben Kindern von schlichten, gottesfürchtigen Bauersleuten – so sein Biograph Rothlauf5 – geboren. Nach philosophischen und theologischen Studien von 1819 an am Kgl. Lyzeum in Bamberg wurde er am 24. November 1824 zum Priester geweiht. Als Kaplan an der Dompfarrei zu Bamberg wurde er vorübergehend 1827 und 1830 als Kuratus nach Coburg versetzt, von Dezember 1830 bis Mai 1831 betreute er die Pfarrei Volsbach und wurde danach als Subregens und 1837 als Regens an das Klerikalseminar in Bamberg berufen. Kurzfristig lehrte er am Lyzeum Moral- und Pastoraltheologie. Am 9. Februar 1841 wurde er vom Metropolitankapitel Bamberg zum Domkapitular gewählt, übernahm bis 1845 die mit dem 10. Kanonikat verbundene Dompfarrei und erreichte mit der Ernennung zum Generalvikar am 18. November 1844 und zum Offizial des Ehegerichts I. Instanz erstmals hohe kirchliche Würden. Am 27. Juni 1853 wurde Deinlein im Geheimen Konsistorium in Rom von Papst Pius IX. (1846–1878) zum Weihbischof in Bamberg und Titularbischof von Adramyttum i. p. i. bestimmt. Während der Festlichkeiten zur Weihe des Speyerer Domes empfing er am 20. November 1853 dort die Bischofsweihe.
Als am 2. Juli 1855 durch den Tod von Bischof Peter von Richarz (1836–1855) der Augsburger Bischofstuhl vakant wurde, ernannte der bayerische König Max II. (1848–1864) den Bamberger Weihbischof zum Bischof von Augsburg. Nach nur zweijähriger Amtszeit wurde Deinlein vom bayerischen König am 15 Juni 1858 zum Nachfolger des im Januar des gleichen Jahres verstorbenen Bonifaz Kaspar von Urban (1842–1858) als Erzbischof von Bamberg nominiert und am 10. November 1858 im Hohen Dom feierlich installiert. Nach über sechzehnjähriger Amtszeit starb er am 4. Januar 1875 und wurde im südöstlichen Seitenschiff des Bamberger Domes bestattet.
An herausragenden Ereignissen des 19. Jahrhunderts, an denen Deinlein Anteil hatte oder wesentlich zu deren Gestaltung beitrug, ist zunächst die Umfrage von 1849 über die Opportunität der Dogmatisierung der Immaculata-Lehre (Unbefleckte Empfängnis Mariens) zu nennen. Als Bischof von Augsburg war er in Auseinandersetzungen mit den Irvingianern in der Diözese befaßt. Die Gläubigen hatten sich der Lehre des Erweckungspredigers Eduard Irving (1792–1834) und dessen mystischen Spekulationen angeschlossen. 1858 auf den Stuhl des hl. Otto nach Bamberg transferiert, stellte er sich am Vorabend des Vatikanischen Konzils auf die Seite der von Rom indizierten Bamberger Güntherianer. 1864 wurde die erste bayerische Bischofskonferenz in Bamberg abgehalten, die regelmäßige Konferenzen festlegte. Beim Vatikanischen Konzil (1869/70), an dem Deinlein mit den (Erz-)Bischöfen von München und Augsburg teilnahm, votierte er wie diese gegen eine dogmatische Entscheidung der Lehre von der päpstlichen Unfehlbarkeit. Als letzter deutscher Bischof unterwarf er sich schließlich den Konzilsbeschlüssen.

Der Vereinsvorsitzende
Michael Deinlein ist am 4. Dezember 1833 dem Historischen Verein beigetreten, als sich sein Wirkungskreis nach kurzen Aufenthalten in der Kuratie Coburg und der Pfarrei Volsbach wieder nach Bamberg verlagert hatte. 1831 war er zum Religionslehrer am dortigen Gymnasium und zugleich zum Subregens des Klerikalseminars ernannt worden.
Das Jahr 1851 brachte in der Vorstandschaft des noch jungen aber aufstrebenden Geschichtsvereins einen Wechsel. Der bisherige, seit 1848 amtierende Vorstand, Regierungsrat und Archivar Dr. Constantin Höfler (1811–1897), hatte einen Ruf an die Universität Prag erhalten. In der Vorstandssitzung vom 5. November 1851 gab er den an ihn ergangenen Ruf dem Kollegium bekannt, legte die Vorstandschaft „förmlich“ nieder und schlug den Generalvikar und Domkapitular Michael Deinlein als neuen Nachfolger vor. Mit der Stimmeneinheit der versammelten Mitglieder wurde Höflers Vorschlag bestätigt und Deinlein zum neuen Vorstand gewählt. Constantin Höfler wurde zum Ehrenvorstand ernannt, eine Würde, die ihm als Ersten seit Bestehen des Vereins verliehen wurde.
Der Tradition bei solchen Anlässen folgend, ergriff Deinlein das Wort und würdigte zunächst die Verdienste seines Vorgängers. Bei der späteren gemeinsamen Sitzung der beiden historischen oberfränkischen Vereine von Bayreuth und Bamberg am 7. Juli 1852 in Kulmbach, bei der Deinlein den Vorsitz führte, ging er noch einmal auf Professor Höflers Bemühen für die Interessen der fränkischen Vereine ein. In seiner Antrittsrede hatte Deinlein zudem versprochen, daß er, soviel seine Berufsgeschäfte ihm erlauben, mit Liebe des Vereines Interessen zu fördern sich bestreben werde, ganz auf die Unterstützung der Vereinsmitglieder vertrauend.
Die Vorstandschaft bestand neben Deinlein aus zwei weiteren Geistlichen: Der Stadtpfarrer von St. Gangolf, Caspar Anton Schweitzer (1806–1866), der das Amt des Kassiers innehatte, schon 1860 starb, wurde posthum als der eifrigste Förderer des Historischen Vereins seit seinem Bestehen gerühmt. Als Vereinssekretär fungierte Domkapitular Johann Rothlauf. Der einzige Laie im vierköpfigen Gremium war Prof. Martin Joseph von Reider (1793–1862), dem die Aufgabe des Konservators und Bibliothekars zukam.
Keine vier Wochen nach der Wahl präsentierte sich der neugewählte Erste Vorstand erstmals während seiner Vereinsmitgliedschaft mit einem Vortrag. Aus Anlaß des Geburtstags des bayerischen Königs Max II. (1848–1864), der sich in seiner bisher kurzen Amtszeit immer als Förderer des Vereins erwiesen hatte und sich für die Zusendung des Jahresberichtes stets mit einem „Handbillett“ an die Adresse des Vorstandes bedankte, sprach Deinlein über die Wittelsbacher seit Wilhelm V. Herzog von Bayern (1505–1550). Zeitgleich mit der Vorbereitung des Referates forschte Deinlein anhand archivalischer Quellen über die Geschichte der Reformation im Bambergischen. Das Manuskript scheint heute verschollen zu sein.
So läßt sich die Bedeutung Deinleins schon nach wenigen Jahren ermessen. Zunächst auf der Ebene des rein persönlich-menschlichen Lebens. Als einziger Geistlicher des 19. Jahrhunderts in der Vorstandschaft empfing er mit der Bischofsweihe 1853 die höchste geistliche Weihe und eine hohe kirchliche Würde. Als er am 14. Dezember 1853 als Weihbischof in Bamberg erstmals nach der Weihe in Speyer an einer Vereinsversammlung teilnahm, wurde er auch vom Vereinssekretär freudigst begrüßt und beglückwünscht. Professor von Reider stellte durch einen Vortrag über die früheren Weihbischöfe in Bamberg, besonders über die, deren Bildnisse im Sitzungssaal des Vereins aufgehängt sind, die aktuelle Verbindung her.
Dieser ehrenvollen Auszeichnung der Persönlichkeit Deinlein war sich der Historische Verein Bamberg durchaus bewußt, als der Vereinssekretär bei der ersten Sitzung nach Deinleins Bischofsweihe darum bat, er möge weiterhin Vorstand des Vereins bleiben.
Die Bedeutung des Ersten Vereinsvorstands Deinlein in wissenschaftlicher Hinsicht resultiert zunächst aus dessen Vortragstätigkeit über verschiedene Themen der Bamberger Kirchengeschichte, die aber offensichtlich nicht in allen Fällen publiziert wurden. Zu kurz wird die nur fünfjährige Dauer der Vereinsvorstandschaft gewesen sein, um in dieser Zeit mehr als die Fortführung des von seinem Vorgänger eingeschlagenen Weges zu erwarten. Schon allein die Bewahrung und weitere Fundierung des Bestehenden verdient Anerkennung.
Neben den Sitzungen des Vereins in Bamberg gab es jährliche Treffen mit dem Historischen Verein von Oberfranken in Bayreuth, die in Kulmbach stattfanden, von Geschichtsvorträgen geprägt waren, mit Appellen für die Geschichtsforschung und einem frugalen Mahle endeten. So sprach Deinlein bei der Gemeinschaftsveranstaltung im Juli 1852 umfassend über den Bamberger Königsmord von 1208.
Erneut tat sich Deinlein bei der gemeinsamen Sitzung der beiden Geschichtsvereine am 6. Juli 1853 in Kulmbach hervor. Erst in der vorausgegangenen Juni-Sitzung in Bamberg hatte die Vorstandschaft ein Zeichen ihrer Geschichtsbeflissenheit gesetzt: Jährlich sollte künftig eine gemeinsame Sitzung der beiden oberfränkischen Vereine abgehalten werden, und zwar mit Kulmbach als Tagungsort. Am 6. Juli verlas Deinlein dann auch eine umfassende Abhandlung über den Bamberger Fürstbischof Johann Gottfried von Aschhausen (1609–1622), einen der größten und einflußreichsten Männer nicht nur seiner Zeit (...), sondern der Geschichte Bambergs überhaupt. Posthum wurde dieser Text im Jahresbericht von 1876 anhand des hinterlassenen Manuskripts veröffentlicht. Ein Jahr später, 1854, referierte er bei gleicher Gelegenheit über den Nachfolger Fürstbischof Aschhausens, Johann Georg II. Fuchs von Dornheim, mit Exkursen über die urkundlich begründeten Begriffe und Ansichten jener Zeit über Hexen, Hexerei und Hexenprozesse. Auch dieser Vortrag fand posthum Eingang in den Vereinsbericht.
War das Vereinsjahr von Juni 1854 bis Ende Mai 1855 zunächst davon bestimmt, daß einzelne Mitglieder sich aus beruflichen Gründen weniger aktiv zeigen konnten, so hatte das folgende, bis Ende Mai 1856 dauernde Geschäftsjahr ein besonderes Ereignis zu verzeichnen. Der Erste Vorstand, der im Januar 1856 zum Bischof von Augsburg ernannte Weihbischof Deinlein, legte aus diesem Grund die Vorstandschaft nieder. Geziemender Dank für die geleistete Arbeit schloss sich an, ehe der Bamberger Lyzealprofessor für Exegese und Philosophie und ausgewiesener Kenner semitischer und abendländischer Sprachen, Adam Martinet (1800–1877), einstimmig – aber schließlich erfolglos – zum Nachfolger gewählt wurde. Domkapitular Johann Rothlauf, bisher Sekretär (Schriftführer) des Vereins, trat schließlich in Deinleins Fußstapfen.
Das 19. Jahrhundert war die Zeit der großen Adressen, wie diese Glückwünsche, kalligraphisch schön geschrieben, mit handgemalten Bildern und Stillleben verziert und buchbinderisch hochwertig verarbeitet, genannt wurden. So erhielt auch der ernannte Bischof von Augsburg am 9. Juni 1856 eine solche Adresse im Namen des gesamten Vereins zugedacht, die von einer Deputation feierlich überreicht werden sollte. Deren Ziel war nicht nur die Anerkennung solcher uneigennützigen rastlosen Wirksamkeit für den Verein, sondern auch die Auszeichnung Deinlein mit der Würde des Ehrenvorstands. Einstimmig wurde der Vorschlag gutgeheißen. Vom Geehrten wurden die Auszeichnungen mit großer Huld entgegengenommen. Neben der Nennung Deinleins in der Reihe der Ehrenvorstände – außer ihm war es noch Prof. Höfler – rangierte Deinlein künftig auch an erster Stelle der ordentlichen Vereinsmitglieder.
Damit endete Deinleins aktive Vereinsarbeit, nicht ohne das Versprechen gegeben zu haben, auch in der Ferne die Interessen des Vereins nach Kräften zu fördern. Mancher Zuwachs zu den Vereins-Sammlungen stammt aus seinem Besitz oder – wie wir später noch sehen werden – aus seinem Handeln als Mäzen.

Interesse für Geschichte
Deinlein selbst hatte keine wissenschaftliche Laufbahn angestrebt, wohl aber in der Kgl. Bibliothek zu Bamberg (heute Staatsbibliothek) wiederholt wissenschaftliche Studien betrieben. Diese flossen 1835 in einen Schlagabtausch mit dem Kloster Langheimer Exkonventualen Joachim Heinrich Jaeck (1777–1847) über die Verwendung der Mönche in Wissenschaft und Seelsorge ein. Die Veröffentlichung der Darlegungen im „Wöchentlichen Anzeiger für die katholische Geistlichkeit des Erzbistums Bamberg“ hatte sich angeboten, da Deinlein von 1832 bis 1842 mit einigen Geistlichen diese erste Kirchenzeitung für das Erzbistum Bamberg redigierte hatte. Anzumerken ist Deinleins Förderung junger Talente, als er als Erzbischof von Bamberg entsprechend Einfluß nehmen konnte. Vom einstigen Studienfreund und nunmehrigen Münchener Kirchenhistoriker Ignaz von Döllinger (1799–1890) , seit 1853 Ehrenmitglied des Historischen Vereins, um Empfehlung jüngerer Geistlicher für das Studium der Kirchengeschichte gebeten, folgte der Bamberger Diözesanpriester Johann Friedrich (1836–1917) diesem Bestreben und widmete 1867 dem Gönner Deinlein sein Erstlingswerk.

Der Förderer der Vereinssammlungen
Der Aufruf von Bibliothekar und Konservator Martin von Reider, dem Historischen Verein zur Erwerbung von Bamberger Münzen und Medaillen auf irgend eine Art behülflich zu sein, erreichte die Vereinsmitglieder erst mit dem Jahresbericht für 1856. Doch Deinlein hatte 20 Münzen bereits 1854 der Münzsammlung des Vereins zugeführt, ferner die Broschüre „Des Meisters Traum. Festgabe zur Feier im Kaiserdom zu Speyer 1853“ aus der Feder des Dichters Oskar von Redwitz, offensichtlich ein „Mitbringsel“ von seiner Bischofsweihe in Speyer.
Nach dieser Schenkung an die Vereinssammlung taucht der Name Deinlein erst wieder in den Vereinsberichten von 1863 und 1864 auf.32 Es ging damals um den wissenschaftlichen Nachlaß des 1862 in München verstorbenen Prof. Martin Joseph von Reider. Erzbischof Deinlein und Dr. Lukas Schönlein (1793–1864), die beiden größten Gönner und Wohlthäter des Vereins, schenkten für die Sammlungen werthvolle, für Bambergs Geschichte sehr interessante Schrift- und Druckwerke, Münzen, Bilder, Karten u.s.w., die aus dem Nachlasse des verstorbenen Professors Herrn von Reider erworben wurden.
Wenige Seiten später werden weitere Geschenke an den Geschichtsverein genannt, die nicht bereits im Bamberger Tagblatt aufgelistet waren. Über zwei Druckseiten hinweg werden Deinleins Schenkungen dann aufgelistet, so umfangreich, daß sie Grundlage einer eigenen Abhandlung sein könnten. Dazu kamen noch zahlreiche Abbildungen, Gemälde, Kupferstiche und eine große Anzahl Bamberger, Würzburger und Nürnberger Münzen, Brakteaten und Münzen auswärtiger Prägeorte. Als bedeutendste Stücke dürften Zeichnungen des Subkustos des Bamberger Doms, Johann Graff (1682–1749), gegolten haben und eine Ausgabe des Bamberger Heiltumsbuches von 1493. Auf dem Innendeckel dieser schmalen Druckschrift ist handschriftlich vermerkt: Von Sr. Excellenz dem hochwürdigsten Herrn Erzbischofe Michael von Deinlein dem histor(ischen) Vereine in Bamberg geschenkt am 12. August 1863.

Deinleins Hirtenbriefe – Objekte der Vereinssammlung
Vereinsvorstand Michael Deinlein, der zum Bischof von Augsburg und zum Erzbischof von Bamberg aufgestiegen war, war nicht nur selbst aktiver Förderer der Vereinssammlungen. Vielmehr war er selbst Objekt der Sammlungstätigkeit, wenn nach seiner Ernennung zum Erzbischof von Bamberg Studienrektor Dr. Gutenäcker zu Bamberg eine „Huldigung Seiner Exzellenz“ dem Vereine vermachte. Domkapitular Rothlauf überbrachte Hirtenbriefe von Deinlein aus den Jahren 1859 und 1860, die um das Gebet für Papst Pius IX. (1846–1878) baten und zur Gründung von Vereinen zur Sammlung des Peterspfennigs aufriefen.39 Elise Hörmann aus München vermachte aus dem Nachlaß von Prof. Reider schließlich den letzten Hirtenbrief Deinleins als Bischof von Augsburg.

Posthumes Bedenken des Vereins mit Geschenken
Nach dem Tod Deinleins am 4. Januar 1875 erhielt der Historische Verein Bamberg einen noch von Deinlein zusammengestellten Akt, der heute die Signatur H.V. Rep. 3, Nr. 954 trägt und bei der Archivaliensammlung des Historischen Vereins im Stadtarchiv Bamberg liegt. Dieser Faszikel wurde wohl während der Ordnung der schriftlichen Hinterlassenschaft nach seinem goldenen Priesterjubiläum im November 1874 für die Aufbewahrung bestimmt und entging damit der Vernichtung wie seine umfangreiche Privatkorrespondenz. Wie dem Bericht des Vereinsvorstands Dr. Valentin Loch (1813–1893) von 1877 zu entnehmen ist, gab es in der Hinterlassenschaft Deinleins einige Faszikel mit der Aufschrift Für den Historischen Verein. Daneben kamen aus dem Besitz Deinleins mehrere Broschüren, Kalender, unter diesen eine Anzahl Gothaer, und Convolute einzelner Jahrgänge der verschiedenartigsten Tageszeitungen, Tagesblätter, Zeitschriften etc. an den Verein, die Deinlein als belesen und an den Tagesereignissen interessiert ausweisen. Bei den fragmentarischen Aufzeichnungen und kürzeren Notizen soll es sich um Notizen zur Geschäftsführung des Vereins gehandelt haben. Wo allerdings seine Notizbücher verblieben sind, die Johann Friedrich nannte, ist unbekannt.
Lediglich 1878 lesen wir noch von der Schenkung von Vier Zinnmedaillen in Etui, die die Schwester und Haushälterin des verstorbenen Erzbischofs, Kunigunda Deinlein, dem Verein vermacht hatte.