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Kurzbiographien bedeutender Vereinsmitglieder

DR. MICHEL HOFMANN (1903–-1968)
ARCHIVAR, JOURNALIST, POLITIKER, MUSISCHER MENSCH

von SIEGFRIED WENISCH in BHVB 141 (2005) 191-–195
Michael (Michel) Hofmann wurde am 13. August 1903 in Waischenfeld, einem ehemals fürstbischöflich-bambergischen Landstädtchen in der Fränkischen Schweiz, geboren. Sein Vater besaß dort neben einer kleinen Landwirtschaft einen Kaufladen; seine Mutter war eine Lehrerstochter. Nach dem Besuch der Volksschule von 1910 bis 1914 zog er nach Bamberg, um dort seine schulische Ausbildung fortzusetzen. Er besuchte das humanistische Alte Gymnasium und wohnte im Studienseminar Aufseesianum; die Reifeprüfung legte er im März 1923 ab. Das erste Semester des Hochschulstudiums verbrachte er noch in Bamberg an der Philosophisch-Theologischen Hochschule, dann aber änderte er seine Pläne und wandte sich dem juristischen Studium zu, das er fortan in München und Würzburg betrieb. Schon frühzeitig war sein besonderes Interesse für die Rechtsgeschichte erkennbar; er hatte aber eine ausgesprochene Passion zur Geschichte allgemein. Viele seiner Fähigkeiten und Neigungen glaubte er im Archivarsberuf anwenden und ausleben zu können. Deshalb bewarb er sich, gleich nach Ablegung des Ersten juristischen Staatsexamens, im März 1928 bei der bayerischen Archivverwaltung für den höheren Archivdienst. Er wurde genommen und leistete jetzt im Bayerischen Hauptstaatsarchiv in München Dienst als Archivreferendar; die Abschlußprüfung bestand er als Bester des Jahrgangs. Weitere Etappen in München waren: bis Juni 1932 Archivassessor, ab Juli 1932 dann Archivrat. Im selben Jahr wurde er auch in Würzburg bei dem Rechtshistoriker Ernst Mayer zum Doktor beider Rechte summa cum laude promoviert. Am 1. April 1933 kehrte er wegen Versetzung an das Staatsarchiv Bamberg wieder und jetzt endgültig in seine geliebte fränkische Heimat zurück.
In Bamberg, wo er nun von 1933 bis 1958 beruflich tätig war, entfaltete er eine ungewöhnliche Aktivität. Er brachte es fertig, neben seiner Haupttätigkeit am Staatsarchiv -– vom 1. September 1938 bis nach Kriegsende war er vertretungsweise sogar mit der Führung der Vorstandsgeschäfte betraut -– auch noch andere Dienstleistungen zu vollbringen: Er war ab 1. April 1937 nebenamtlicher Leiter des Stadtarchivs Bamberg, eine Zeitlang beauftragter Heimatpfleger für den Stadtkreis Bamberg sowie vom 20. Juni 1933 bis 20. März 1937 Zweiter Schriftführer („Ausschußschriftführer“) und vom 20. März 1937 bis November 1945 Vereinsleiter des Historischen Vereins Bamberg, dem er schon seit 1928 als Mitglied angehörte. In politisch diffiziler Zeit, die auch manche Anpassungen erforderte, wurde trotz allem unter Hofmanns Regie ein reges Vereinsleben gestaltet. Wie bisher schon wurden viele Studienfahrten durchgeführt, Führungen veranstaltet und Vorträge gehalten; neu waren vom Vereinsleiter abgehaltene heimatgeschichtliche Einführungskurse. Die Kriegszeit brachte Einschränkungen und Störungen, doch konnten die laufenden Geschäfte aufrechterhalten werden. Viel neue Arbeit machten die Luftschutzmaßnahmen. Zum Glück mußte der sonst so agile Beamte keinen Kriegsdienst leisten, weil er militärisch nur beschränkt tauglich war und so erreichen konnte, daß er die ganze Zeit über uk (= unabkömmlich) gestellt wurde. Seine archivarische Tätigkeit wurde nicht wie bei so vielen anderen Beamten nach Kriegsende aufgrund der Entnazifizierung nur kurz unterbrochen, sondern bis zum 30. September 1956 – beim Stadtarchiv nur bis zum 30. September 1948 –, aber nicht, weil er politisch in besonderem Maße belastet gewesen wäre, sondern weil er in der Zwischenzeit einen anderen für ihn attraktiven und sehr passenden Beruf gefunden hatte: Er wurde Journalist und übernahm die Kultur-Redaktion der Tageszeitung „Fränkischer Tag“ in Bamberg. Die von ihm ins Leben gerufene Beilage „Fränkische Blätter“ erschien von 1948 bis 1962. In dieser Zeit war er auch politisch sehr aktiv: Er war vom 1. Mai 1952 bis zum 30. April 1958 Stadtratsmitglied, war Fraktionsvorsitzender der Bayernpartei und trat 1952 sogar als aussichtsreicher Oberbürgermeister-Kandidat in Erscheinung. Eine große Ehre war, daß er 1957 in das Kuratorium der Akademie für politische Bildung berufen und zu dessen Schriftführer bestellt wurde.
Michel Hofmann wurde noch einmal versetzt, und zwar im April 1958 an das Staatsarchiv Würzburg, dessen Vorstandsgeschäfte er übernahm (Beförderungen: 1958 Oberregierungsarchivrat, 1964 Archivdirektor). Wieder gab er sich nicht mit diesem Amt allein zufrieden, sondern übernahm dazu Ehrenämter, so beim Frankenbund (Beirat und Mitglied des Redaktionsausschusses), bei der Gesellschaft für fränkische Geschichte (stellvertretender wissenschaftlicher Leiter) und bei den Freunden Mainfränkischer Kunst und Geschichte (Beirat und Schriftleiter). Schließlich erhielt er noch einen Lehrauftrag für fränkische Rechtsgeschichte an der Universität Würzburg. Kurz vor Vollendung seines 65. Lebensjahrs wurde er im Juli 1968 wegen schwerer Erkrankung in den Ruhestand versetzt. Er starb am 7. November 1968 in Würzburg und wurde in seinem Geburtsort Waischenfeld beigesetzt. Es hatte ihn in seinen letzten Lebensmonaten sicherlich mit besonderer Freude erfüllt, daß er am 1. März 1968 noch zum Ehrenmitglied des Historischen Vereins Bamberg ernannt worden war.
Wie Verfasser aus eigener Erfahrung weiß, war Hofmann ein gerechter Chef, ein liebenswürdiger und konzilianter Mensch, redegewandt, temperament- und humorvoll, bisweilen ironisch. Er glänzte deshalb besonders bei Vorträgen, die leider später nur zum Teil veröffentlicht wurden. Geblieben sind als Zeugnis seines Charakters und seines Könnens aber doch noch zahlreiche Publikationen. Werkverzeichnisse haben Otto Meyer und Walter Scherzer schon in ihren Nachrufen im Jahre 1969 geliefert. Aber obwohl in dem ausführlichen Verzeichnis von Scherzer immerhin 88 Titel aufgeführt sind, ist das bei weitem nicht alles. Insgesamt gibt es nämlich mehr als 200 Beiträge allein in Bamberger Zeitschriften aus Hofmanns Feder. Fast alle Veröffentlichungen haben fränkische Themen zum Inhalt. Von Anfang an und immer wieder spielte die Erforschung rechts- und verfassungsgeschichtlicher Vorgänge eine große Rolle. Dieses Spektrum wurde aber ausgeweitet auf Lokalgeschichte allgemein, Volkskunde, Kunstgeschichte und Lebensbeschreibungen, ja, man wird kaum einen Themenbereich finden, dem sich sein sprühender Geist nicht zugewandt hat.
Aber das Bild des Menschen Michel Hofmann wird erst vollendet, wenn man auch die musische Seite seines Wesens einbezieht. Er liebte die Literatur und war ein Meister der lateinischen und griechischen Sprache. In den dreißiger Jahren arbeitete er mit Ernst Heimeran zusammen, in dessen Verlag er eine zweisprachige Anthologie „Antike Briefe“ und gemeinsam mit diesem eine weitere, „Antike Weisheit“ (mehrere Auflagen!), erscheinen ließ. Entdeckung und Übertragung der Werke klassischer Schriftsteller und Dichter, aber auch solcher des Mittelalters und besonders aus der Zeit des Humanismus begeisterten ihn. Groß waren auch seine musikalischen Fähigkeiten. Hofmann beherrschte Cello, Gitarre und Klavier und führte hausmusikalische Abende durch oder regte solche an. Er war auch ein guter Kenner der Musiktheorie, wovon noch seine Konzertkritiken Zeugnis geben. Übersetzungskunst und musikalische Fähigkeiten führten zu der kongenialen Zusammenarbeit mit dem Komponisten Carl Orff (1895–1982) bei der Entstehung der „Carmina Burana“. Michel Hofmann lieferte das Textbuch für die Uraufführung des Werkes im Jahre 1937 in Frankfurt am Main. Anläßlich des 100. Geburtstages von Orff im Jahre 1995 wurde am Haus Hainstraße 30 in Bamberg, in dem sich 1934 die Junggesellenwohnung von Hofmann befand und wo die Zusammenarbeit begann, von der Stadt Bamberg eine Gedenktafel zur Ehre des Komponisten und seines Freundes angebracht.