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Kurzbiographien bedeutender Vereinsmitglieder

PAUL KÖTTNITZ (1875–-1954)
VERWALTUNGSBEAMTER UND VEREINSVORSITZENDER

von LOTHAR BRAUN in BHVB 141 (2005) 204–-207
Paul Köttnitz wurde am 28. April 1875 in Hohenleuben in Thüringen, damals im Fürstentum Reuß jüngerer Linie, geboren. Seine Kindheit und Jugend verbrachte er in Greiz, wo sein Vater Leibarzt des Fürsten Heinrich XXII. von Reuß älterer Linie und Physikus des Fürstentums war. Seine Mutter stammte als Angehörige des Geschlechts der Freiherrn Zobel von Giebelstadt jedoch aus Franken, wo Paul dann die wesentlichen Teile seines Lebens und Wirkens verbringen sollte. Nachdem sein Vater das Kurhaus in Streitberg übernommen hatte, besuchte der Sohn von 1887 bis 1894 als Zögling des Aufseesianums das Alte Gymnasium in Bamberg und studierte anschließend ein Jahr Philosophie am Lyzeum in Bamberg. Dann oblag er dem Studium der Rechtswissenschaften an der Universität München und schloß dieses 1898 mit der Staatsprüfung ab. Nach der praktischen Ausbildung in München entschied er sich für die Laufbahn eines Verwaltungsbeamten.
Zunächst weilte er nur kurz in Bamberg, und zwar als Ratsassessor beim Stadtmagistrat 1902/03. Nach weiterer Tätigkeit als Regierungsakzessist in Bayreuth wirkte er ab 1905 als Bezirksamtsassessor am Bezirksamt (Bad) Neustadt a. d. Saale. 1912 wurde er an das (für Bamberg-West zuständige) Bezirksamt Bamberg II versetzt, das sein Dienstgebäude im Ebracher Hof am Unteren Kaulberg hatte. Hier blieb er bis 1920, als er zum Bezirksoberamtmann in Burglengenfeld berufen wurde. Doch bereits am 1. Juli 1925 kehrte er als Amtsvorstand mit dem Titel eines Oberregierungsrats an das Bezirksamt Bamberg II zurück und bei dessen Vereinigung mit dem (für Bamberg-Ost zuständigen) Bezirksamt Bamberg I am 1. Oktober 1929 wurde er Vorstand des ungefähr dem heutigen Landkreis entsprechenden Bezirksamtes (seit 28. November 1938: Landkreises) Bamberg.
Die Ereignisse des Jahres 1933 brachten Köttnitz in einen tiefgreifenden Konflikt. Als entschiedener Gegner des Nationalsozialismus und als Verfechter einer nach rechtsstaatlichen Grundsätzen ausgerichteten Verwaltung stand er nun einem totalitären Regime gegenüber, das demokratische Strukturen sehr schnell abbaute, ja sogar bekämpfte. Köttnitz war nicht nur Amtsvorstand des größten bayerischen Bezirks, sondern er war als Stadtkommissar der verlängerte Arm der Regierung von Oberfranken für die kreisfreie Stadt Bamberg. Bereits im März 1933 begann seine schrittweise Verdrängung aus dem Amt, es folgte eine zwangsweise Beurlaubung, und zum 1. Dezember 1933 die Versetzung an die Regierung von Unterfranken in Würzburg, wo ihm zwei völlig unpolitische Referate, nämlich der Landesfürsorgeverband und das Stiftungswesen, übertragen wurden, die ihm sehr zusagten. Er führte diese Tätigkeit auch nach Erreichen der Altersgrenze 1940 wegen der Kriegszeit fort und suchte erst nach dem Inferno Würzburgs am 16. März 1945 um seine Versetzung in den Ruhestand nach. Mit seiner letzten dienstlichen Tätigkeit fühlte sich Köttnitz auch noch im Ruhestand verbunden, indem er die beim Brand Würzburgs zerstörten Stiftungsakten der Regierung rekonstruierte.
Nach dem Verlust von Wohnung, Hab und Gut kehrte er im Spätsommer 1945 nach Bamberg zurück. Hier war ihm noch ein knappes Jahrzehnt eines rastlosen Ruhestandes beschieden. Ein jäher Tod ereilte ihn am 2. Dezember 1954 in Bamberg.
Neben seiner von großem Einsatz geprägten beruflichen Tätigkeit förderte Köttnitz an all seinen Wirkungsorten in besonderer Weise kulturelle Bestrebungen. Diese Bemühungen galten in Bamberg vor allem dem Historischen Verein, dem er spätestens 1897 beigetreten war. Am 16. Oktober 1912 wurde er zum Schatzmeister gewählt und am 16. November 1917 übernahm er nach dem überraschenden Tod Professor Dürrwaechters das Amt des Ersten Vorsitzenden, das er bis zu seinem Weggang nach Burglengenfeld bekleidete. Zur Förderung des ihm besonders wichtig erscheinenden Heimatbewußtseins begründete er erstmals für 1920 die jährlich erscheinenden Heimatblätter als volkstümliches Vereinsorgan. Wie sehr er mit dem Verein bereits verwachsen war, geht daraus hervor, daß er 1923 in einem (erfolglosen) Versetzungsgesuch auf seine Beziehungen ... mit dem Frankenland, nicht zuletzt jene aus meiner Mitgliedschaft und zeitweiligen Vorstandschaft im dortigen Historischen Verein, ausdrücklich hinwies. Nach seiner Rückkehr 1925 gehörte er bis zur Neuwahl am 17. Oktober 1933 dem Vereinsausschuß an. Eine äußerst schwierige Aufgabe übernahm er am 11. Mai 1946 mit seiner Wiederwahl zum Ersten Vorsitzenden des Historischen Vereins. Zwar hatte der traditionsreiche Geschichtsverein die Zeit des Nationalsozialismus und insbesondere die Kriegszeit einigermaßen unbeschadet überstanden, die Wiederherstellung einer demokratischen Verfassung, die Sammlung des verstreuten Vereinsinventars und die Wiederaufnahme einer geordneten Vereinstätigkeit bedurften aber größter Anstrengungen, die Köttnitz zusammen mit dem Zweiten Vorsitzenden, Staatsarchivdirektor Wilhelm Biebinger, auf sich nahm. So trägt die am 26. Februar 1949 von der Mitgliederversammlung verabschiedete neue Vereinssatzung deutlich seine Handschrift.
Doch gingen die Blicke von Paul Köttnitz über den Historischen Verein hinaus. Gerade in der Zeit des Wiederaufbaus nach dem Zweiten Weltkrieg war er auch in anderen Bereichen mitgestaltend tätig: So im Vorsitz der Photographischen Gesellschaft, den er zum dritten Mal übernahm, in dem von ihm gegründeten Kulturkreis, einer lockeren Dachorganisation für kulturelle Bestrebungen aller Art in Bamberg, und als Zweiter Vorsitzender der „Freunde der Hochschule Bamberg“ (heute: Universitätsbund). Dazu kam – wie schon in den zwanziger Jahren – eine umfangreiche Vortragstätigkeit in Stadt und Land über heimatkundliche Themen. Es war deshalb eine Anerkennung seines vielseitigen Wirkens, daß „dem verdienten Förderer der Heimat“, so die Inschrift auf seinem Grabstein, 1952 als erstem Bamberger das Bundesverdienstkreuz verliehen wurde.