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Kurzbiographien bedeutender Vereinsmitglieder

FRIEDRICH LEIST (1829–-1903)
SAMMLER, FORSCHER UND SCHRIFTSTELLER

von LOTHAR BRAUN in BHVB 141 (2005) 211-–213
Karl Josef Friedrich Leist entstammt väterlicherseits einer aus Württemberg um die Mitte des 18. Jahrhunderts nach Bamberg eingewanderten Kaufmannsfamilie. Sein Großvater Johann Stephan Leist, geboren 1728 in Löffelstelzen bei (Bad) Mergentheim und gestorben 1800 in Bamberg, war während der Regierungszeit des Fürstbischofs Adam Friedrich von Seinsheim (1757–1779) Hoflieferant für Spezereiwaren und hatte 1759 ein entsprechendes Handelsgeschäft in Bamberg gegründet. Bereits 1757 läßt er sich als Eigentümer des Hauses zum Schwarzen Rad, früher Austraße 7, heute Obstmarkt 7, nachweisen. 1797 erwarb er das nach dem Brand 1789 nach Plänen des Hofarchitekten Lorenz Fink wieder aufgebaute Doppelhaus Lange Straße 13, an dessen früheren Torbögen sich noch heute die Monogramme Leists und dessen Ehefrau Barbara befinden. Ihr Sohn Kaspar Leist (1784–1865) betrieb das Geschäft im Haus zum Schwarzen Rad weiter, das – auch nach dem Neubau von 1976 – als Leisthaus in Bamberg noch allgemein bekannt ist.
Dort wurde Friedrich Leist am 26. September 1829 geboren. Bis 1846 besuchte er das Gymnasium in Bamberg und studierte anschließend Rechtswissenschaften an den Universitäten Erlangen und Würzburg. Die Staatsprüfung legte er 1852 ab. Als Bezirksgerichtsassessor und Untersuchungsrichter trat er 1857 in den Staatsdienst ein, 1862 wechselte er an das Stadtgericht Bamberg und 1865 wurde er zum Landrichter in (Bad) Berneck ernannt, wo er neun Jahre blieb. Nach seiner Rückkehr nach Bamberg wirkte er wiederum am Stadtgericht und wurde 1879 als Oberamtsrichter Vorstand des Amtsgerichts Bamberg I. Als solcher wurde er – seit 1890 mit dem Rang und Titel eines Oberlandesgerichtsrates ausgezeichnet – 1899 in den Ruhestand versetzt. Er starb am 3. Februar 1903 in seiner langjährigen Wohnung Karolinenplatz 1, heute Domplatz 1, in Bamberg. Verheiratet war er seit 1855 mit Anna Schneider (1825–1902) aus Bamberg. Beider einziger Sohn Dr. med. Joseph Wilhelm Ignaz, genannt Inigo, Leist, geboren am 16. Mai 1856 in Bamberg, war praktischer Arzt in
Berlin und starb 1919.
Friedrich Leist war im kulturellen und gesellschaftlichen Leben unermüdlich tätig. Zu seiner Verabschiedung von Berneck 1874 bereitete ihm der dortige Magistrat und der „Musikdilettanten-Verein“ einen großen Ehrungsabend. In Bamberg war er dem Historischen Verein sehr verbunden, dem er seit 14. Juni 1860 als ordentliches Mitglied angehörte. Von 1886 bis zu seinem Tod bekleidete er das Amt des I. Schriftführers. Beim goldenen Vereinsjubiläum, das beim Erscheinen des 50. Berichts am 24. Juli 1888 gefeiert wurde, hielt er die von vaterländischer Begeisterung getragene Festrede.
Besondere Anerkennung brachten ihm seine zahlreichen Veröffentlichungen, allen voran sein Bamberg-Führer und die Geschichte des Bamberger Theaters. Nach den längst vergriffenen Schriften von Heinrich Joachim Jaeck und Joseph Heller hatte es kein neues handliches Buch über Bamberg mehr gegeben. Leist bearbeitete fern von Bamberg, wie er im Vorwort zur ersten Auflage schreibt (damals weilte er in Berneck!), seinen Führer durch die Stadt und ihre Umgebung für Fremde und Einheimische, der 1873 in erster, 1879 in zweiter und 1889 in dritter Auflage erschien. Bescheiden schreibt er im Vorwort zur ersten Auflage weiter, es handele sich bei seinem Werk nicht um das Ergebnis selbständiger Forschungen, sondern um die Zusammenstellung älterer und neuerer Forschungsergebnisse. Jedenfalls entstand ein für die damalige Zeit auch in typographischer Hinsicht ansprechendes Handbuch über Bamberg mit zahlreichen Abbildungen, das die Kunstwerke und sonstigen Besonderheiten der Stadt umfassend darstellt, dem allerdings – zeitbedingt – die Würdigung der barocken Kunst noch schwer fällt. Gleichwohl befaßte sich Leist in einem gedruckten Vortrag, den er am 8. April 1889 im Historischen Verein gehalten hatte, mit der Neuen Residenz und dem Baumeister Johann Jakob Michael Küchel.
Mehrere Jahrzehnte beschäftigte er sich mit der Geschichte des Bamberger Theaters. Zunächst sammelte er alle für ihn erreichbaren Dokumente aus der Vergangenheit der verschiedenen Bühnen, die sich durch einen raschen Wechsel auszeichneten. Das gesammelte Material fügte er zu Bänden zusammen, die über Emil Freiherr Marschalk von Ostheim (1841–-1903) in die Staatsbibliothek Bamberg gelangt sind. Seine erste gedruckte Theatergeschichte vom Ende des 16. Jahrhunderts bis zum Jahr 1862 veröffentlichte er 1863 im 26. Bericht des Historischen Vereins. Eine völlige Neubearbeitung dieses Abschnitts erschien 1893 im 55. Bericht. Die Fortsetzung der Theatergeschichte von 1863 bis in die neueste Zeit lag bei Leists Ableben als Manuskript fast druckfertig vor, wurde aber nicht mehr veröffentlicht und ist heute verschollen.
In zahlreichen, meist kleineren Abhandlungen befaßte sich Leist mit volkskundlichen Themen. Auch daraus werden seine breitgestreuten Interessen erkennbar, die ihn als markanten Bamberger Vertreter des Bildungsbürgertums erscheinen lassen.