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Kurzbiographien bedeutender Vereinsmitglieder

DOMDECHANT JOHANN ROTHLAUF

von LUITGAR GÖLLER in BHVB 141 (2005) 242–-246
Unter ungeheurer Betheiligung aller Stände wurden gestern (16.3.) Nachmittags 3 Uhr die irdischen Überreste des verlebten hochwürdigen Herrn Domdechants Rothlauf (in) der im alten Kirchhof befindlichen Capitelsgruft beigesetzt. Die Menschenmenge, die sich gestern im Kirchhof befand, ist dort sonst nur am Allerseelentage zu finden. Die Wege, durch welche sich der imposante Leichenzug bewegte, waren zu beiden Seiten dicht besetzt, nicht minder war es der Platz um die Grabstätte, lange bevor dort der Zug angekommen war …
... Diese allgemeine Theilnahme lieferte den wiederholten Beweis, in welch´ hoher Achtung der Dahingeschiedene gestanden und daß sein Andenken in allen Kreisen ein gesegnetes und gesichertes ist
(Stadtarchiv Bamberg (künftig: StadtAB), BS 7323/2, Fränkische Chronik, Bamberg, 17. März 1881).
In der Mitteilung des Metropolitankapitels vom Tod Johann Rothlaufs am 14. März 1881 an die bayerischen Ordinariate – unterzeichnet von Dompropst Fellner und Domdekan Kotschenreuther – heißt es: Der Dahingeschiedene besaß glänzende Eigenschaften des Geistes und die edelsten Vorzüge des Herzens, die je das Leben eines Priesters zieren können. Die ganze Laufbahn seines priesterlichen und amtlichen Wirkens, in welcher er besonders durch tiefe Frömmigkeit, durch reiches Wissen, durch Menschenfreundlichkeit und Duldsamkeit gleich hervorragte, war eine Kette edler Handlungen.
Mit ihm verliert der Hwst. Oberhirte einen lojal ergebenen treuen Freund, das Domkapitel einen seiner geschäftsgewandtesten liebenswürdigen Collegen, die Stadt Bamberg einen stets hilfsbereiten Vater der Armen.
Unsere Trauer in den Verlust unsere lb. Collega ist darum eine große und gerechte
(Archiv des Erzbistums Bamberg (künftig: AEB), Personalakt Rep. 2 Nr. 2104/5).

Wer war Johann Rothlauf?

In Friedrich Wachters „General-Personal-Schematismus der Erzdiözese Bamberg 1007-–1907“ stehen nur wenige Zeilen über Rothlauf. Das hat sicher seinen Grund darin, daß bei ihm der Aufstieg gradlinig verlief. Im Gegensatz zu manch anderen Geistlichen, die sich über zahlreiche auswärtige, oft auch abgelegene Stellen vorwärts arbeiten mussten, um eine gute Pfarrei zu erhalten, meinte es die Vorsehung gut mit Rothlauf. Ohne je Bamberg verlassen zu haben, kann seine geistliche Laufbahn fast als „Bilderbuchkarriere“ bezeichnet werden. Dennoch ist die Quellenlage hinsichtlich seines Lebenslaufs und Wirkens nicht sehr günstig. Im Folgenden wird nur veröffentlicht, was mit vertretbarem Aufwand zu ermitteln war.
Geboren wurde Johann Rothlauf am 22. Juli 1806 in Scheßlitz als Sohn des Rotgerbers Johann Georg Rothlauf und seiner Gattin Anna Maria Hügerich. Am gleichen Tag erhielt er die Taufe. Sein Pate war Johann Molitor, der Sohn des Bäckers Martin Molitor (AEB, Matrikel der Pfarrei Scheßlitz, Bd. 7/14, S.268).
Am 4. Dezember 1831 empfing Rothlauf die Priesterweihe. Bei der „Prüfung zur Ausübung der Seelsorge aus der Moral und Pastoralwissenschaft“ am 20. Dezember 1831 wurde er unter 21 Kandidaten als einziger mit der Note vorzüglich ausgezeichnet (AEB, Generalvikariatsprotokolle 1831, Nr. 780, 20.12.).
Der „Schematismus der Geistlichkeit des Erzbistums Bamberg für das Jahr 1834“ bezeichnet ihn als Hofmeister. Aus einem Gesuch an die Regierung des Obermainkreises vom 4. Juni 1835 um Zulassung zur Prüfung für das Pfarramt ergibt sich, daß er die jungen Barone von Ruffin – vermutlich Verwandte des Erzbischofs – unterrichtete (AEB, Rep. 4/3, Nr. 218).
Am 30. Mai 1835 bat er das Generalvikariat um ein „Qualifikationszeugnis zum Behufe seiner Zulassung zur bevorstehenden Pfarrkonkursprüfung“ (AEB, Generalvikariatsprotokolle, Nr. 407, 30.5.). Nach dem ihm am 31. Mai 1835 erteilten Qualifikationszeugnis war er der Beste mit folgenden Noten (AEB, Generalvikariatsprotokolle, Beschluß Nr. 464, 31.5.):
Wissenschaftliche Bildung       vorzüglich = 1
Amtseifer                                      unermüdet beständiger = 1
Moralisches Betragen                ausgezeichnet gutes.= 1


Nach dem Zeugnis der vom 1.–4. Juli 1835 erfolgten Classifikation gehörte er zur Classe 1, als 6. unter 47 Teilnehmern. Seine Einzelnoten in 10 Fächern schwankten zwischen 1 – 11/2 – 11/3, nur in Pastoral hatte er 2 – offenbar fehlte ihm wegen seiner Hofmeistertätigkeit die Praxis der Seelsorge (AEB, Rep. 4/3, Nr. 218).
Rothlauf erfreute sich offenbar der besonderen Förderung von Erzbischof Joseph Maria von Fraunberg, denn dieser verlieh seinem Hofmeister und Sekretär am 23. April 1838 die durch den Tod des Domvikars Josef Hemmerlein vakante 6. Vikarsstelle am Dom.
Die Genehmigung durch König Ludwig I. erfolgte am 22. Mai 1838, die Einweisung am 6. Juni 1838. In der Folgezeit war Rothlauf Sekretär des Allgemeinen geistlichen Rates.
Am 15. Juni 1847 stand das durch das Ableben des Seniors des Kapitels Dr. Andreas Gros und das Vorrücken der übrigen Kanoniker erledigte 10. Kanonikat zur Wiederbesetzung an. Nach Artikel X des Konkordates von 1817/1821 stand dem Oberhirten die Berufung zu. So ernannte Erzbischof Bonifaz von Urban am 1. August 1847 den Domvikar und Sekretär Johann Rothlauf zum Domkapitular. Diese Ernennung brachte Rothlauf am 2. August 1847 dem Metropolitankapitel zur Kenntnis mit der Bitte, die königliche Genehmigung einzuholen, die dann am 31. August 1847 erfolgte. Die Installation fand am 1. Oktober 1847 statt. In seiner Eigenschaft als Domkapitular war er Sekretär des Metropolitankapitels, des Metropolitangerichts und Synodalexaminator (AEB, Personalakt Rep. 2, Nr. 2104/5).
Nach dem Tod des Domdechanten Dr. Adam von Gengler am 1. April 1866 wurde der zwischenzeitlich zum Offizial und Direktor der erzbischöflichen Kanzlei beförderte Rothlauf am 6. Juli 1866 durch König Ludwig II. zum Domdechanten ernannt. Die Investitur nahm Erzbischof Michael von Deinlein am 20. Juli 1866 vor, nachdem der Neuernannte das tridentinische Glaubensbekenntnis und das „iuramentum fidelitatis et obedientiae“ abgelegt hatte. Die Installation erfolgte am 23. Juli 1866 (AEB, Personalakt Rep. 2 Nr. 2104/5).
Große Verdienste hat sich Rothlauf um den St. Johannis-Zweigverein und als Consulent der Kleinkinderbewahranstalt des 1. Distrikts erworben.
Seine Gewandheit in mehreren Sprachen und seine anerkennenswerthen Kenntnisse in der mit Vorliebe gepflegten, besonders heimathlichen Geschichte erschlossen ihm auch fremde und sogar gelehrte Weise, so heißt es in einem Nachruf des Bamberger Pastoralblattes [XXIV. Jahrgang, Nr. 13, S. 48]. So war es nicht verwunderlich, daß der Privatsekretär und Hauskaplan des Erzbischofs 1837 dem 1830 gegründeten „Historischen Verein zu Bamberg in Oberfranken von Bayern“ beitrat. Vom 4. Juni 1851 bis 6. März 1856 bekleidete er das Amt eines Sekretärs des Vereins. Als Nachfolger des zum Bischof von Augsburg ernannten 1. Vorstandes, Weihbischof und Generalvikar Michael von Deinlein wurde er 1856 für 19 Jahre 1. Vorsitzender („Vorstand“) des Vereins. Bei der Erweiterung des Vorstandes am 14. September 1865 fiel ihm der 1. Vorsitz mit den Zuständigkeiten Allgemeine Geschäftsführung und Führung der Korrespondenz zu. Seine Tätigkeitsberichte der Jahre 1856 bis 1875 sind Beweis für sein Wirken und die Entwicklung des Historischen Vereins.
In Rothlaufs Tätigkeit als 1. Vorsitzender fiel der Erwerb der Maternkapelle als Vereinslokal. Am 4. Mai 1860 beschloß die Generalversammlung den Kauf der Kapelle zum Preis von 1 200 fl. Dieses Denkmal, das zum Verkauf anstand, sollte vor der Zerstörung bewahrt und wenigstens in seinem äußeren Bestand als Kapelle erhalten werden. Da der Verein außer seinen Exponaten kein Vermögen besaß, war er auf Wohltäter sowie eine obrigkeitlich erlaubte Emittierung von Aktien angewiesen. Nach manchen Umbauten im Innern konnte am 29. Juli 1861 die feierliche Eröffnung des Vereinslokals und des damit verbundenen Museums stattfinden (BHVB 23 (1860), S. VIII f.; 24, S. III–VI und 149; 25 (1862), S. VI f., IX–XI).
Wie den jährlichen Vereinsberichten Rothlaufs zu entnehmen ist, unterhielt Rothlauf rege Kontakte zu den in Deutschland bestehenden wissenschaftlichen Gesellschaften, Geschichts- und Altertumsforschenden Vereinen sowie mit einzelnen Gelehrten und Forschern. Dadurch erfuhr die Vereinsbibliothek ansehnliche Zuwächse von mitunter kostbaren Werken. Durch zahlreiche Geschenke – auch von Seiten des 1. Vorsitzenden – war die Maternkapelle 1865 so gefüllt, daß sie nicht mehr ausreichte, eine übersichtliche Aufstellung der einzelnen Exponate zu ermöglichen. Durch Anschaffung von neuen Schränken wurde Sorge für eine bessere Aufbewahrung der Handschriften, Urkunden, Bücher, Münzen und anderer Altertümer getragen. Auch die Zahl der Mitglieder nahm kontinuierlich zu.
Als 1. Vorsitzender des Historischen Vereins schrieb Rothlauf zahlreiche Nekrologe mit Würdigung der wissenschaftlichen Bedeutung verdienter Mitglieder, so 1855 auf Domkapitular Friedrich Wunder (BHVB 18 (1855), S. XXV–XXXI), 1858 auf Geistlichen Rat Dr. Haas und Prof. Dr. Zeus (BHVB 21 (1858), S. 63–76), 1864 auf Dr. Georg Thomas von Rudhart, Joseph von Reider und Dr. Johann Lukas von Schönlein (BHVB 27 (1864), S. 107–153), 1866 auf Erzbischöflichen Geistlichen Rat und Stadtpfarrer Caspar Schweitzer (BHVB 29 (1866), S. 183–197), 1869 auf Domkapitular Dr. Leonhard Clemens Schmitt (BHVB 31 (1869), S. 97–106), 1870 auf Pfarrer Lucas Hermann (BHVB 32 (1870), S. 195–-201) und auf Kuratus A. Oesterreicher (BHVB 32 (1870), S. 202–205), 1875 auf Professor Dr. Anton Ruland (BHVB 37 (1875), S. 1–12) und auf Erzbischof Dr. Michael von Deinlein (BHVB 37 (1875), S. 93–-108).
In den Jahresberichten 1869-–1871 (BHVB 31 (1869), S. 58–96; 32 (1870), S. 115–-187; 33 (1871), S. 1–80) veröffentlichte er einen unkommentierten Textabdruck aus einer Handschrift der Kapitelsbibliothek aus dem Jahre 1748 „Verzeichnis der Kanoniker des alten Domstiftes in Bamberg in der Zeit von 1046 bis 1749“. Seine Absicht war es, geschichtliche Notizen über das ehemalige Bamberger Domkapitel als Baustein zur Ausführung einer künftigen Geschichte bekannt zu geben (BHVB 31 (1869), S. 58).
Am 29. Mai 1865 wurde das von König Ludwig I. der Stadt Bamberg gestiftete Denkmal des Fürstbischofs Franz Ludwig von Erthal feierlich enthüllt. Eine ausführliche Beschreibung der Festlichkeiten aus der Hand Rothlaufs erschien in der Bamberger Zeitung Nro. 148 und 149 (30. und 31. Mai 1865). Da nach seiner Meinung Zeitungsblätter mit der Zeit verloren gehen, veröffentlichte er einen Augenzeugenbericht dieses Ereignisses (BHVB 28 (1865), S. 84–99). Außerdem erschien von ihm als Festgabe eine Broschüre „Kurze Lebensbeschreibung Franz Ludwigs von und zu Erthal, Fürstbischofs zu Bamberg und Würzburg Herzogs in Franken“. In ihr sollte durch das segensreiche Wirken Franz Ludwigs Dankbarkeit und Verehrung geweckt und zur Nachahmung seiner hohen Tugenden im Allgemeinen angeregt werden.
In einer weiteren Abhandlung beschäftigte er sich mit der Baugeschichte der St. Jakobskirche von 1154–1852 unter dem Titel „Geschichtliche Notizen über die St. Jakobskirche in Bamberg. Ein Vortrag, gehalten in einer Sitzung des historischen Vereins 1868 vom I. Vereins-Vorstand (BHVB 31 (1869), S. 45–57 und S. 107–110).
1873 behandelte er die Frage „Welcher Altar im Dom zu Bamberg galt ursprünglich für den Hauptaltar und welcher der beiden Chöre demzufolge für den Hauptchor?“ (BHVB 35 (1873), S. 156–-170). Hier spricht er sich für den Peterschor aus.
In Würdigung seiner Verdienste für den Historischen Verein Bamberg wurde er 1876 Ehrenvorstand ernannt. Die Historischen Vereine von Bayreuth und Landshut machten ihn zu ihrem Ehrenmitglied.
Am 13. März 1881 abends um 1/2 7 Uhr ist Domdechant Johann Rothlauf in Anwesenheit des Erzbischofs, des Dompropstes und des Generalvikars im Alter von 74 Jahren und 6 Monaten einem längeren Leiden erlegen. Leider wurde ihm selbst, der so viele Nachrufe auf verstorbene Vereinsmitglieder veranlaßte, in den Vereinsberichten diese Ehre nicht zuteil; sein Tod fand hier keine Erwähnung.
Eines der beliebtesten Originalportraits von Bamberg, dem vielleicht kein Herz feindselig schlug, ist mit ihm verblichen (Bamberger Pastoralblatt, XXIV. Jahrgang, Nr. 13, S. 48). Ganz besonders aber verlieren die Armen der Stadt, denen der größte Theil der Einkünfte des Verblichenen zufloß, in ihm einen Vater und werktätigen Tröster. Sein Andenken wird in der ganzen Erzdiöcese in gesegneter Erinnerung bleiben (StadtAB BS 7323, Fränkische Chronik, Bamberg, 17. März 1881).