Neufund im Altbestand – Schwert der „Bamberger Götzen“


von CORNELIA LOHWASSER

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Bild 1:  Arzthelferinnen Franzi Haas (mit Brille) und Heike Butterhof mit dem „etwas anderen“ Patienten

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Bild 2: Restaurator Jörg Schabesberger (rechts) vom Historischen Museum und Gunnar Gransche M.A. vom Lehrstuhl für Archäologie des Mittelalters und der Neuzeit begutachten das Schwert.

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Bild 3: Schwert im momentanen Zustand

Im Juli vor zwei Jahren zog die umfangreiche archäologische Sammlung des Historischen Vereins Bamberg in ein neues Depot. Dies war eine günstige Gelegenheit für die neue Sammlungsbeauftragte Dr. Nelo Lohwasser, zusammen mit Studierenden des Lehrstuhls für Archäologie des Mittelalters und der Neuzeit eine EDV-gestützte Neuinventarisierung und Umverpackung vorzunehmen.

Ein besonders schönes und wertvolles Stück, das sich bei der Neuinventarisierung fand, ist ein großes, zweischneidiges Schwert, eine so genannte Spatha. Sie wurde auf den ersten Blick ins Frühmittelalter datiert. Leider ist die Klinge mittendurch gebrochen. Die wuchtige Waffe hatte einst eine Länge von etwa 95 cm. Nicht Jedermann besaß ein solches Schwert – es war schon damals enorm teuer und wies seinen Träger als „Häuptling“ oder „Chef“ aus. Gewöhnlich werden solche Waffen in frühmittelalterlichen Gräbern gefunden. Ein spätes Gräberfeld dieser Zeitstellung wurde 1972 in Weismain ausgegraben. Dort fand sich ein sehr ähnliches Schwert, das in vielen Büchern abgebildet und im Landschaftsmuseum Obermain in Kulmbach ausgestellt ist.

Das Schwert gehört zu den Beifunden der berühmten „Bamberger Götzen“, die beim Anlegen des Werkkanals der Baumwollspinnerei (ERBA) im Jahre 1858 gefunden wurden. Der Ausgräber Dr. Martinet veröffentlichte vorbildlich bereits im gleichen Jahr im 21. Bericht des Historischen Vereins eine Aufzählung der Gegenstände, die zusammen mit den Bamberger Götzen ans Licht kamen. Dort heißt es: „…Ein verrostetes Schwert mit Griff und Querstange, zweischneidig, die Spitze findet sich in einer Haut…“ (…die heute fehlt). Das gleiche Objekt wird noch etwas ausführlicher im Zugangsregister des Historischen Vereins aufgeführt.

Nach Einschätzung der Sammlungsbeauftragten ist das Schwert der momentan älteste und bis jetzt bedeutendste Eisenfund auf Bamberger Stadtgebiet. Dr. Alfred Geibig, Leiter der Waffensammlung auf der Veste Coburg, hält das Schwert für einen der bedeutendsten Waffenfunde unserer Region. Direkte Vergleiche gibt es, kaum eine Hand voll, zu Schwertern aus Mannheim und Karlsruhe. Seiner Ansicht nach stammt es aus fränkischer Produktion zur Zeit Karls des Großen.

Das schöne Stück wurde nun erst einmal geröntgt. Nach dem Röntgenbild ist es für Jörg Schabesberger, den Restaurator des Historischen Museums, etwas leichter, die Bauteile des Griffes und die Strukturen eventueller Verzierungen freizulegen. Das Röntgenbild zeigte im Inneren des Knaufs eine spezielle Konstruktion aus mehreren Einzelteilen, wodurch die Spatha ins späte 8. Jahrhundert bis in die erste Hälfte des 9. Jahrhunderts datiert.

Darüber hinaus fiel Jörg Schabesberger auf, dass sich am Knauf ein fingernagelgroßes Stück Stoff am Rost abgedrückt hat. Während der Restaurierung entdeckte er sogar noch einen zweiten Stoffrest aus einem viel gröberen Gewebe. Dies ist nach Meinung der Sammlungsbeauftragten kein Zufall, sondern ein Zeichen, dass das Schwert als Grabbeigabe einige Zeit an der Seite seines ehemaligen Besitzers gelegen haben muss, wobei zwei verschiedene Gewebe der Kleidung des Bestatteten am Schwertknauf „angerostet“ sind. Dies ist oft an metallischen Grabbeigaben zu beobachten, die längere Zeit unter bestimmten Bedingungen mit Textilien in Berührung lagen. Die Stoffstückchen sind ein Indiz dafür, dass das Schwert mit hoher Wahrscheinlichkeit ursprünglich eine Grabbeigabe war.

Damit wäre die Möglichkeit geschaffen, die Bamberger Götzen und die mit Ihnen gefundenen, heute verschollenen, aber gut beschriebenen Gegenstände in den Kontext eines frühmittelalterlichen Friedhofes – kurz vor Aufgabe der Beigabensitte – einzuordnen. Im damaligen Fundbericht werden neben Keramik und Einbäumen auch Menschenknochen erwähnt. Die mit diesen Funden vergesellschafteten Rannen (in den Fluss gefallene und dort verbliebene Bäume) zeigen eine Schwemmschicht an, das heißt, die Gräber waren schon über- und abgeschwemmt worden. Sie waren wahrscheinlich als Gräber gar nicht mehr erkennbar und die Grabbeigaben bereits stark durcheinander geraten.

Die Herkunft und ehemalige Funktion der „Bamberger Götzen“, drei menschenähnliche Figuren aus Sandstein, wird seit ihrer Entdeckung kontrovers diskutiert. Die Deutungen reichen von slawischen Kultfiguren bis zu Abbildern christlicher Missionare. Das wieder gefundene Schwert wird sicher frischen Wind in die wissenschaftliche Diskussion bringen.